Die Maus ist nicht winzig, sondern witzig. Und cool ist sie. Sie rennt nicht ängstlich vor Katzen und anderen Wichtigtuern weg. Immer weiß sie sich zu helfen: Wenn ihr Hubschrauber nicht fliegen will, pflückt sie ihren Schwanz ab und formt daraus einen Propeller. Das Fahrrad ist nach einem Unfall zerbeult? Kein Problem. Sie nimmt sich einfach ein neues aus dem Verkehrsschild, das den Radweg anzeigt, und steckt als Ersatz ihr altes Rad aufs Schild.

So macht sich die Maus die Welt, wie sie ihr gefällt. Genau wie meine Tochter: Die zeichnet Pferde und bastelt sich ihren eigenen Pferdehof. Ihr Bruder hat sogar schon eine echte lila Dampflok von ihr bekommen. Die Große fände es toll, wenn die Maus mal rückwärts auf einem Pferd reiten würde. Kann ja in den nächsten Tagen noch kommen. Wir werden jetzt wohl öfter vor der Glotze sitzen. Seit die Schulen geschlossen sind, sendet der WDR seine „Sendung mit der Maus“ täglich. Die Maus zeigt den Zuschauern: Es könnte auch anders sein. Anders, als wir es gewohnt sind. So, wie wir es gerne haben wollen.

Zwischen den Cartoons lernt man etwas, das man meistens noch nicht wusste (in Dänemark gibt es schräge Mülleimer, damit man beim Fahrradfahren was reinwerfen kann, und die Familien futtern jeden Freitagabend vor dem TV massenweise Süßigkeiten). Das Spannende dabei ist, dass die Erwachsenen nicht den Kindern die Welt erklären, sondern gemeinsam mit ihnen auf Entdeckungsreise gehen.

Wenn ich die Maus wäre, würde ich ein Mobiltelefon zeichnen, das immer weghüpft, wenn man es anfasst. Wenn sich meine Kinder um ein Auto streiten, würde ich es teilen und zwei Motorräder daraus machen. Einen Schwanz könnte ich gut gebrauchen, um die Schätze hervorzuangeln, die „jemand“ unter dem Sofa oder hinter der Heizung versteckt hat. Oder um im Geschäft an die letzte Packung Klopapier zu kommen, die ganz hinten im Regal liegt. Wenn das Kinderzimmer mal wieder aussieht, wie ein Mäusestall, ziehe ich einfach einen zweiten Boden ein. Dann sieht man es nicht mehr. Meine Tochter würde stattdessen lieber ein großes Bild malen, auf dem alles in Ordnung ist, und es ausbreiten.

Bei beiden Lösungen gibt es allerdings das Problem, dass der Fußboden bis zur Decke wachsen würde, sodass die Kinder bald nur noch auf dem Bauch liegend spielen könnten. Vielleicht hat ja der Elefant eine bessere Idee.

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