Flatrate für Strafen

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Strafen nützen nichts, sagen Erziehungswissenschaftler. Keine Strafen nützen auch nichts, denkt sich wohl der Mittlere und ruft: „Wenn ich das jetzt nicht darf, höre ich nicht mehr auf zu schreien!“ Meine Antwort entschlüpft mir schneller, als ich denken kann: „Wenn du versuchst, mich zu erpressen, dann…“ Ups. Wo ist nochmal der Reset-Knopf, mit dem man die Situation rückgängig macht?

Während ich noch den Knopf suche, sorgt mein Sohn schon wieder für Ruhe und Ordnung. Er ist nämlich neuerdings bei der Polizei. Man möge sich nicht darüber wundern, dass er vor Kurzem noch bei der Feuerwehr war. Und davor war er Schaffner – interessanterweise trug er dieselbe Dienstmütze wie jetzt als Polizist. Die jungen Leute sind eben flexibel. Eins ist aber klar, verkündete mein Sohn neulich: „Wenn ich groß bin, werde ich auf keinen Fall Verbrecher!“

Das fand ich dann doch sehr beruhigend. Da nehme ich es auch gerne hin, dass er mir regelmäßig einen Strafzettel aushändigt. Ich möchte aber wenigstens wissen, warum ich den bekomme. Die Antwort: „Weil du noch keinen hast!“

Logisch. Man muss dazu wissen, dass die Hommelpolizei noch an positive Verhaltensanreize glaubt. Wer etwas Verbotenes gemacht hat, bekommt zur Strafe zum Beispiel zehn Euro von der Polizei. Daran könnte sich die Ordnungspolizei in unserer Stadt mal ein Beispiel nehmen. Wenn wir für jedes Falschparken zehn Euro ausgezahlt bekämen, wären wir schon reich.

Dabei sind wir Hommels überhaupt keine notorischen, rücksichtslosen Absichtsdauerfalschparker. Es passiert mehr so aus Versehen, dass ein erwachsenes Familienmitglied (Nicht ich!) das Auto ein paar Tage lang auf einem Kurzzeit-Parkplatz vergisst. Oder wir es dienstags irgendwo abstellen, wo man montags nicht parken darf, was dann am nächsten Montag natürlich längst vergessen ist. Vielleicht schlage ich der Stadt mal eine Falschparken-Flatrate vor. Da fülle ich einfach so ein Super-Lastschriftmandat aus, zahle einmal monatlich und darf parken, wo ich will.

Noch besser wäre allerdings eine Strafen-Flatrate für zu Hause: Einmal im Monat, sagen wir am 3., würde ich ordentlich losbrüllen, wüste Drohungen ausstoßen und mir für jedes Familienmitglied eine Strafe ausdenken. Dann würden wir alle herzlich darüber lachen, und den Rest des Monats wären wir die friedlichste Familie der Welt. Schon der Gedanke daran macht mich zu einem besseren Menschen. Da sieht man: Strafen nützen doch etwas.

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