Eigentlich hätte ich es mir nicht besser wünschen können, weil ich dieses Thema allgemein (Warum kann ich nicht in Frieden leben, nur weil mein Nachbar ...?) und im speziellen (Fliegt durch die Lüfte und lässt manchmal etwas fallen) besonder schätze, denn es ist eine nie versiegende Quelle für Inspirationen, die ich - manchmal mehr, manchmal weniger - brauche, um hier überhaupt über meine Gespräche mit Lesern zwischen zehn und zwölf berichten zu können. Auf den Punkt gebracht, denn bei dem ersten Anruf nach meiner kurzen Auszeit ging es darum: "Der Mieter in der Wohnung über meiner hat auf seinem Balkon ein Vogelhäuschen", meinte die Frau in der Leitung und formulierte ihren Unmut ganz konkret: "Und nun wird die Sch... auch wieder auf meinen Geranien landen." Zunächst bekundete ich meine Zustimmung, weil mich dieser Dreck auch stören würde, doch mir war nicht klar, warum sie meine Nummer gewählt hatte, weshalb ich fragte: "Und wie kann ich Ihnen in dieser Sache weiterhelfen?" Dass ich das wissen wollte, war offenbar zu viel für die Anruferin, denn die Laute, die ich vernahm, klangen nicht so, als würde sie viel Verständnis für meine Unwissenheit haben. "Mann, das ist doch ganz einfach", sagte sie und erklärte mir: "Sorgen Sie mal dafür, dass ein Artikel dazu erscheint, denn es muss doch so etwas wie gesetzliche Bestimmungen für Vogelhäuschen auf Balkonen geben, meinen Sie nicht auch?" Dass ich meine Kollegen in der Redaktion über diesen Hinweis informieren werde, nahm sie zwar zur Kenntnis, wollte aber das Recht auf das letzte Wort für sich beanspruchen: "Na da bin ich aber mal gespannt, sonst ruf ich in zwei Wochen wieder an." 

Der Vollständigkeit halber, und weil ich das schon mal zur Tradition erklärt habe, hier noch die beiden Themen des zweiten und dritten Gesprächs nach meiner Urlaubspause: Der erste Leser hatte mich angerufen, weil er vergangenen Donnerstag auf der Titelseite den Artikel "Verbraucherschützer fordern Steuer für überzuckerte Getränke" sowie auf der Seite "Kommentar & Hintergrund" den Leitartikel mit der Überschrift "Zu viel Zucker ist kein Privatproblem" gelesen hatte. Er meinte: "Diese Verbraucherschützer glauben doch wohl nicht wirklich daran, dass die Hersteller dieser zuckerhaltigen Getränke die Steuer einfach schlucken und das nötige Geld von ihrem Profit abzweigen. Nein, im Gegenteil, sie werden des halb die Preise erhöhen, und da frage ich Sie dann: Wer ist am Ende der Dumm? Wieder mal wir, die nichts dafür können und uns überlegen müssen, ob wir uns die teurere Cola dann überhaupt noch leisten können." Irgendwie habe ich in diesem Moment etwas falsch verstanden, denn meine Erwiderung war diese: "Aber dann ist das Ziel doch erreicht: Weil die süßen Limonaden so teuer werden, dass sie keiner mehr kaufen mag, trinken immer weniger Menschen diese Zuckerbomben." Der Mann in der Leitung zögerte einen Augenblick, bevor er mich fragte: "Wollen Sie mich verar...?"

Bei dem dritten Gespräch muss ich zunächst die beiden ersten Sätze aus der Nachricht "Letzter Beifall für Hawking" zitieren, sie lauten: "Fast drei Wochen nach dem Tod von Stephen Hawking haben 500 geladene Gäste auf einer Trauerfeier Abschied von dem Astrophysiker genommen. Als sechs Männer den Sarg in die Kirche Great St. Mary’s im britischen Cambridge trugen, applaudierten tausende Zaungäste." Der Leser meinte: "Dieser Mann hat mit all dem, was er erforscht und geleistet, immer wieder Gott infrage gestellt. Ich begreife einfach nicht, wie man für diesen Atheisten einen Trauergottesdienst in einer Kirche abhalten kann."

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