Gänsenhaut

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Meine Kinder baden. Das wäre an sich nicht berichtenswert. Nur dringend notwendig. Interessant ist es aber für all jene, die Zweifel am Klimawandel haben. Denn wenn die drei in der Wanne sind, kann man regelmäßig Hitzewellen, hohe Luftfeuchtigkeit und Überschwemmungen beobachten. Manchmal gibt es auch ein Gewitter. Genauer gesagt: ein Donnerwetter meinerseits.

Vielleicht sollte ich ja die Playmobil-Feuerwehr rufen. Aber die hat Badezimmer-Verbot. Denn ich habe keine Lust, irgendwelche Kleinteile von Schlauch bis Helm aus dem Abfluss zu fischen.

Kritische Stimmen mögen sagen, ich könnte den Kindern ja auch beibringen, sich beim Baden ordentlich zu benehmen und nicht so viel Wasser zu verspritzen. Hier sehen wir schon wieder eine Parallele zum Klimawandel: Ich könnte. Und müsste sogar. Aber ich tue es nicht. Immerhin habe ich den Kindern schon erklärt, dass sie nicht ins Wasser rutschen dürfen. Was schade ist, denn unsere Eckbadewanne hat tatsächlich eine Rutsche. Wofür sonst sollte die kleine Ausbuchtung über dem Absatz gedacht sein, die genau die Größe eines Kinderpos hat? Trotzdem dürfen bei uns nur Lego-Männchen rutschen. Denn die können es, ohne dass gleich die Wanne leer ist.

Ich kann aber auch etwas. Nämlich das Wasser ablassen. Die Kinder kommen endlich raus und sind völlig verschrumpelt. Der Mittlere (5) sagte früher immer ganz verzweifelt „Ich hab Gänsenhaut!“ Jetzt stellt er nur noch schwierige Fragen: Warum bekommt man Gänsehaut? Warum heißt es überhaupt Gänsehaut? Hat man unter der Gänsehaut noch eine normale Haut?

Ich antworte routiniert mit ja, nein, keine Ahnung, und gehe dann zum nächsten Tagesordnungspunkt über: dem lang ersehnten Nagelschneiden. Um es etwas abwechslungsreicher zu gestalten, schlage ich meinem Sohn vor, er solle doch bei jedem Finger sagen, wie der heißt. Normalerweise findet er solch mütterliche Holzhammerpädagogik total doof. Doch heute ist er ganz begeistert. Als ich mit dem Nagelschneiden anfange, merke ich schnell, warum: Die Finger heißen nämlich Pipi, Kacka und Pups. Aha. Der Kleine (2) lacht sich scheckig, die Große (8) verdreht die Augen.

Aber was soll man machen? Humor ist nun einmal Geschmackssache. Der Mittlere hatte ja angekündigt, dass er erst mit dem Fäkalquatsch aufhört, wenn Corona vorbei ist. Das ist einer von vielen Gründen, warum ich die vierte Welle fürchte. Und damit meine ich nicht die Welle im Badezimmer.

Weitere Blog-Einträge

...