Nach Ansicht eines Leser, der sich deswegen bei mir gemeldet hatte, sollten die Leute, die zurzeit auf der Straße gehen und gegen Polizeigewalt demonstrieren, sich unbedingt mal mit Menschen in Verbindung setzen, die sich noch gut an das Leben in der DDR erinnern können, denn nur sie können wirklich Zeugnis davon ablegen, was das bedeutet, wenn die Ordnungsorgane des Staates zum Mittel der Gewalt greifen, um gegen uneinsichtige Bürger vorzugehen. Frage in diesen virtuellen Raum: Wurde wirklich bis 1989 so viel getreten, geschlagen, gezerrt und gewürgt? Nach Meinung eines anderer Lesers, dem es um das gleiche Thema ging, sollten sich die Menschen, die sich in diesem Staat offenbar nicht mehr wohl fühlen oder sich einer Gefahr ausgesetzt sehen, doch unser Land einfach verlassen und sich ein anderes suchen, wo es ihnen dann besser geht. Völlig von der Rolle, auf der ich mich gern zwischen zehn und zwölf auf engem Raum bewege, um mir meine (heitere) Gelassenheit bewahren zu können, war ich dann nach diesem Hinweis eines Lesers, der sich ebenfalls auf die Berichte über die Demonstrationen gegen Rassismus bezogen hat, weil er seinen Ausführungen zufolge das Vertrauen in diesen Rechtsstatt verloren hat, und als Grund dafür mir dies mitteilte: "Wenn für die guten Menschen andere Regeln gelten als für normale Leute, verändert sich etwas in meinem Rechtsempfinden." Ob ich das verstanden habe? Eher nicht, aber es hat mich geärgert, dass ich es deswegen unkommentiert gelassen habe, weil ich mir eine weitere Diskussion mit dem Mann in der Leitung ersparen wollte. Auch aus diesem Grund habe ich einem anderen Leser seine Frage nicht beantwortet, denn er wollte von mir wissen: "Wenn es keine Rassen mehr geben soll, dann sollte man auch nicht mehr von Rassismus sprechen, oder sehe ich das falsch?" Weil ich auch diesen Blogeintrag zu einem mich versöhnenden Abschluss bringen möchte, zitiere ich einen Leser mit dem Hinweis darauf, dass er mir meinen Glauben an den Sinn meiner Arbeit (zumindest ein kleines Stück) wiedergegeben hat, er teilt mir mit: "Ich finde es skandalös, dass es immer noch Menschen gibt, die andere diskriminieren, nur weil sie anders aussehen. Die Politik sollte noch konsequenter gegen solche Parteien und Organisationen vorgehen, die dem Vorschub leisten." Und bevor ich das vergesse: Über die Sinn und Zweck der Verpflichtung zum Tragen von Mund- und Nasebedeckungen beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen mag ich eigentlich auch nicht mer reden, es reicht.

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