Der Mittlere spielt Gitarre und singt: „Heut ist dein Gebotztag, darum feiern wir, alle deine Deunde freuen sich mit dir…“. So klang es jedenfalls, als er noch klein war. Also vor wenigen Monaten. Inzwischen ist er ja schon drei. Und hat nicht nur bei der Aussprache dazugelernt. Er weiß jetzt auch, dass er „am Mai“ Geburtstag hat. Oder ist es doch schon morgen? Klarer Fall: „Ich hab morgen im Mai Geburtstag!“

Aber vor dem Mai kommen noch viele andere Monate, zum Beispiel der Juli und damit Papas Geburtstag. An solchen Tagen werden bei uns immer von geheimer Hand Geschenke auf den Frühstückstisch gelegt, und natürlich gibt es einen Kuchen. Bei den Kindern entspricht die Anzahl der Kerzen dem Lebensalter, bei den Erwachsenen runden wir großzügig ab. Beim gemeinsamen Singen macht unser mittlerer Sohn grundsätzlich nicht mit – er ist eher der Typ für Solo-Auftritte.

Groß war aber das Entsetzen, als ich irgendwann mal die Geschenke vom Tisch räumte, um ihn abzuwischen. „Aber der Papa hat doch immer noch Geburtstag!“, rief der Junge. Abends musste er sich dann vergewissern: ob der Papa jetzt immer noch Geburtstag hat? Und ob er morgen noch mehr Geburtstag hat?

Geburtstag kann man nie genug haben. Deshalb war gleich eine Woche später der Kleine dran. Der große Bruder hatte bereits alles vorbereitet. Sogar ein Tomateneis hatte er schon in den Ofen geschoben. Von uns gab’s als Geschenk eine Gießkanne. Ich möchte mal wissen, warum einjährige Kinder so fasziniert sind von Gießkannen. Vielleicht, weil man mit ihnen so gut auf den Tisch klopfen kann?

Außerdem bekam der Kleine einen Anhänger fürs Bobby Car. Wir haben so ein klassisches rotes Rutschauto mit Oldtimer-Zulassung. Der ursprüngliche Fahrzeughalter, der Sohn meiner Cousine, ist inzwischen 18 und auf größere Pkw umgestiegen. Unser Mittlerer war so nett und zeigte seinem kleinen Bruder gleich, wie das Geschenk funktioniert. Allerdings überschritt er dabei die maximale Füllhöhe des Anhängers und hinterließ eine Sandspur im Garten, sodass die Polizei einschreiten musste.

Als ich selbst noch ein Kind war, fand ich Rolf Zuckowskis Geburtstagslied immer ziemlich unlogisch: „Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst“ – wie kann man jemanden vermissen, den man gar nicht kennt? Inzwischen aber bin ich mir sicher: Wenn es meine Kinder nicht gäbe, dann würde ich sie vermissen. Nicht nur am Gebotztag.

Weitere Blog-Einträge