Gemüsebrühe

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Es geht ums Freibad. Ich bin dort nicht gerne, ich fühle mich im Freibad nicht richtig einsortiert. Wie eine Makkaroni unter Spirelli. Oder wie eine Gurke, die zwischen Bananen gerutscht ist. Nun war es heiß und die Kinder bestanden darauf, dass wir ins Freibad gehen, damit sie sich abkühlen können. Ich schlug vor, dass sie kalt duschen. In der Zwischenzeit würde ich Eis besorgen und Pommes, auf Wunsch auch Bockwurst mit Brötchen. Dann hätten wir denselben Effekt und könnten zu Hause bleiben.

Kind 1 und Kind 2 fanden den Vorschlag dreist und fühlten sich in ihrer aktuellen Situation nicht ernst genommen. Sie fragten, ob ich mich rein gar nicht mehr an die Zeit erinnere, als ich jung war. Natürlich erinnere ich mich. Diese Erinnerung ist nur überlagert von anderen Erinnerungen, die später kamen und ebenfalls Platz in der Schatzkiste hinter meiner Stirn brauchen. Jeden Sommertag war ich als Kind im Freibad. Wir fingen damals Kaulquappen, die im Badewasser heranwuchsen. In dieser Zeit war im Becken noch ein Leben möglich, das unabhängig von den Badegästen existierte. Manchmal getrauten wir uns nicht ins Wasser. Wir glaubten, dass darin der Weiße Hai lebt und Kinder frisst. Irgendwann war ich aus der Freibadkultur herausgewachsen. Ich habe es nicht bemerkt, nur aufgehört, diesen Ort der kindlichen Glückseligkeit aufzusuchen.

Sekunden nach meinem "Meinetwegen" klingelte es und zwei weitere Kinder standen mit Badetaschen vor unserer Tür.

Im Bad legte mich meine Reisegruppe auf der Wiese ab und verschwand im Wasser. Da lag ich also. Auf dem Klangteppich sonnenverbrannter Menschen mit Sopranstimmen. Ich bekam Langeweile und begann, unter meiner Sonnenbrille die Badegäste zu beobachten. Manche steckten mit dem Oberkörper in kleinen Zelten. Nur die Beine schauten heraus. Ich stellte fest: Der typische Badegast zu dieser Primetime war jünger als zwanzig oder tätowiert, hatte Kinder dabei oder alles zusammen.

Danach war mir langweilig und ich beschloss, eine Runde spazieren zu gehen. Um die Becken herum. Ich roch und sah das Wasser und dachte an Gemüsebrühe und an Pilzsuppe. Als ich Kind 1 und Kind 2 entdeckte, schubsten sie mich nicht hinein. Etwas später kam ich wieder an unseren Platz. Dort saß Kind 1. "Ich habe dich gesucht. Gibst du mir Geld für Pommes?", fragte der Junge. Sie haben mich also nur wegen meines Autos mit ins Bad genommen. Und wegen meiner Funktion als Geldautomat. Aber das ist in Ordnung.

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