An den letzten Arbeitstagen vor meinem Weihnachtsurlaub möchte ich immer gnädig sein mit den Lesern, die mir einen Wunsch äußern in der Hoffnung, dass ich ihn erfüllen kann, und denen ich ansonsten für gewöhnlich eine Absage erteilen muss, weil vieles nicht in meiner Macht steht und auch ich mich an mehr als nur ein paar Regeln halten muss. Bei diesem älteren Herren beispielsweise ist mir das gelungen: "Würden Sie bitte in Ihrer Zeitung eine kleine Notiz bringen, dass meiner Frau und mir diese Sendung ganz wunderbar gefallen hat und wir uns bei allen Künstlern für die wundervollen Momente bedanken möchten", formulierte ein Anrufer sein Anliegen. Auf Nachfrage habe ich dann erfahren, dass es ihm um die MDR-Show "Weihnachten bei uns" vom vergangenen Samstag ging. Nun denn, zuerst habe ich dem Mann gesagt, dass es dafür leider keinen Platz in der "Freien Presse" gibt, was er mir mit einem "das habe ich mir fast gedacht" dankte, doch dann konnte ich ihn doch noch ein kleines bisschen glücklicher machen: "Aber ich werde im Internet schreiben, dass Sie angerufen und mir von der Sendung vorgeschwärmt haben", sagte ich. Darüber würde er sich sehr freuen, meinte der Leser, und erklärte mir, dass er dann seinen Enkel fragen werde, ob dieser ihm meine Notiz im Internet mal zeigen könne. "Wonach muss er denn suchen?", fragte mich der Senior und bekam von mir die Antwort: "Es soll einfach den Titel der Sendung und meinen Namen eingeben, dann wird es bestimmt schnell finden." Das werde er machen, sagte der Anrufer und bedankte sich noch einmal bei mir, bevor er sich überaus freundlich von mir verabschiedete. Schade finde ich aber jetzt, dass ich nie erfahren werde, ob der Enkel dieses Mannes tatsächlich zum ersten Mal in seinem Leben einen meiner Blogeinträge gelesen hat.

Weil ich ein (für mich ungeschriebenes) Gesetz missachtet habe, konnte ich auch dieser Leserin einen vorweihnachtlichen Wunsch erfüllen: "Mein Mann und ich würden gern wissen, ob wir das Ende des Fortsetzungsromans noch vor oder am besten genau zu Weihnachten lesen können", meinte die Frau in der Leitung und fügte hinzu: "Das würde uns nämlich sehr gefallen, weil es doch das Fest der Liebe ist und wir uns wünschen, dass Clara und Robert endlich zueinander finden und glücklich werden können." Sie hat zwar von mir diese Antwort bekommen: "Eigentlich darf ich das nicht verraten, aber wie ich gerade aus für gewöhnlich gut unterrichteten Kollegenkreisen erfahren habe, erscheint der Schluss des Fortsetzungsromans am 17. Januar." Doch vermutlich wird sie diese Information über den Roman "Das Mädchen am Klavier" mit der Lebensgeschichte der jungen Clara Schumann nicht wirklich und uneingeschränkt gefallen haben, denn ich hörte abschließend dies von: "Wie schade, das hätte wirklich gut gepasst, aber wir können auch noch die vier Wochen abwarten, bis wir uns vermutlich die eine oder andere Träne nicht verdrücken können. Liebe ist doch etwas so Wunderbares." 

Dass ich dabei über meinen eigenen Schatten springen musste, wäre übertrieben, weil es mir nicht wirklich schwer gefallen ist, einer Leserin ihren Wunsch zu erfüllen, doch habe ich auch hier eine meiner Regeln kurzfristig außer Kraft gesetzt, weil doch bald Weihnachten ist. Die Frau in der Leitung gehörte zu den fünf Anrufern, die heute mit mir über das sprechen wollten, was ich in meiner Kolumne "Was für eine Zeit?" auf der aktuellen Seite "Leserforum" geschrieben habe. Wir hatten uns ungefähr so fünf Minuten ebenso angeregt wie konstruktiv unterhalten, als sie plötzlich eine längere Pause einlegte, hörbar tief Luft holte und mich fragte: "Was halten Sie davon, wenn wir beide mal ..." Was ich ihr geantwortet habe, geht eigentlich niemanden etwas an, doch möchte ich, weil doch das Fest der Liebe vor der Tür steht, auch niemanden im Unklaren lassen, weshalb ich einfach ihre letzten Worte zitieren bevor sie sich von mir verabschiedet hat: "Ich freue mich."

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