Geflügel bereichert das Leben, wenn es noch mit Federn eingekleidet ist und flattert. Wir befinden uns mitten in einem kleinen Chicken-Projekt. Ich habe vier Hennen ausgeliehen, weil sich Kind 1 Hühner wünscht, aber der Vater noch von der Schönheit des Haushuhns überzeugt werden muss. Hier die wichtigsten Projektergebnisse.

Erstens: Diese Familie hat einen Qualitätssprung im Bereich Harmonie hingelegt und ernsthafte Chancen auf den Olympiasieg. Lisa und ihre Freundinnen verbringen ihre Freizeit direkt vor unserem Küchenfenster. Lisa ist die Chef-Henne. Wir sehen sie, wenn wir am Esstisch sitzen. Dreimal pro Woche hat sie Eisprung. Sie verschwindet dann für ein paar Minuten im Hühnerhäuschen und legt ein cremefarbenes Ei ins Nest. Ansonsten läuft sie vor dem Küchenfenster auf und ab, wühlt im Boden und beobachtet uns. Wir sind so fasziniert davon, dass wir vergessen, uns zu streiten. Eigentlich streite ich mit meinem Mann zum Frühstück am liebsten darüber, dass Kinder verblöden, wenn sie morgens fernsehen dürfen. Olli Pocher durfte als Kind bestimmt andauernd was angucken nach dem Aufstehen, sage ich immer. Jetzt philosophieren wir über die Rastlosigkeit des Haushuhns.

Zweitens: Wir haben andauernd Besuch. Kind 1 und Kind 2 führen täglich Touristen durch unseren Garten. Sie haben Klappstühle ins Hühnergehege gestellt. Dort dürfen sich ihre Gäste hinsetzen und von den Eltern dabei fotografieren lassen, wie sie eine Henne auf dem Schoß halten und in die Kamera lächeln. Das ist eine Entwicklung, die der Kindsvater mit Sorge beobachtet. Nicht die Hühner zertrampeln und zerscharren seinen Rasen, sondern jetzt sind die Menschen schuld.

Drittens: Unsere Eier stammen von glücklichen Hühnern. Kind 1 hat Kind 2 mit seiner Liebe zum Huhn angesteckt, sodass nun beide ein Landwirt-Praktikum in unserem Garten absolvieren. Die Arbeit teilen sie sich. Die kleine Schwester muss abends mit Schaufel und Eimer über die Wiese laufen und die Kackhäufchen einsammeln, die unsere Test-Hennen tagsüber verlieren. Der große Bruder hat sich die Aufgabe gegeben, die Eier einzusammeln. Mit der Legeleistung unserer Gäste ist der Junge zufrieden. Zwei bis drei Eier am Tag, mehr hat er nicht erwartet, sagt er.

Viertens: Das Leben mit Huhn ist schön, aber man hat eine Sorge mehr. Ständig hängt der Fuchs bei uns ab. Lisa und ihre Mädels fühlen sich bedrängt. Kannst nicht mehr allein rausgehen als Henne.

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