Ein Kollege aus der Redaktion hat sich an mich gewandt, weil er sich bedroht fühlt und Schutz braucht. Zwar geht diese Bedrohung von einem Leser aus, der seinen Leitartikel "Friedensplan ist ein Etikettenschwindel" gelesen hatte, doch handelt es sich um keine unmittelbare, weshalb es auch nicht erforderlich ist, die zuständigen Behörden darüber zu informieren, damit sie einschreiten und Schlimmeres verhindern können. "Der Mann droht mir mit Gottes Gericht", teilte mir der Redakteur mit, ohne dabei seine Miene zu verziehen, wobei ihn lange genug kenne, um mir sicher sein zu können, dass da irgendwo in seinem Nacken der Schalk sich breitmachen wollte. Zum besseren Verständnis dieses Zitat, in dem sich der Leser auf eine übergeordnete Instanz beruft: "Als Gott nach 2000 Jahren Wüste und Vertreibung des Volkes Israel dieses Land für die Juden wieder fruchtbar machte, (…) wie in der Bibel vorhergesagt, wollten auf einmal die Jordanier und andere Araber das Land haben. Aber nach Verheißungen der Bibel gehört das Land nach dieser sehr langen Zerstreuung dem Volk Israel, und Gott steht dazu. Gott entscheidet über Landansprüche. Auch wir Deutschen können nicht verlorenes Gebiet zurückfordern und uns steht (…) Gottes Endgericht noch bevor; es wird schrecklich ausfallen, befürchte ich."

Und dann gibt es noch einen neuen Eintrag in der Liste meiner Sammlung von besonders kurzen beziehungsweise den kürzesten Leserbriefen, die mich erreicht haben, wobei ich mir eigentlich meistens eher unsicher war, ob die Absender tatsächlich davon ausgegangen waren, dass ihre Meinung es auf die Seite "Leserforum" schaffen könnte. Bislang gibt es dort 16 Eintragungen; fünf mit vier, sieben mit drei und vier mit zwei Wörtern. Nun ist einer mit zwei Wörtern hinzugekommen: Dem Leser ging es um den Bericht gestern auf der Seite "Politik & Börse" über die Veranstaltung aus Anlass des 90. Geburtstages des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten in der Dresdner Frauenkirche. Vor allem das Foto, das die Gattin des Jubilars und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt, beide mit versteinerten Mienen, war dem Man aufgefallen und hatte ihn veranlasst, mir diesen Leserbrief per Mail zukommen zu lassen: "Armer Kurt."

Schließlich noch diese Frage eines Anrufers, die er mir ganz persönlich stellen wollte und die ich dann auch wahrheitsgetreu beantwortet habe, woraufhin ich mit dem Mann in der Leitung noch weitere fünf Minuten lang über dieses Thema diskutiert habe. Von mir wissen wollte er dies, nachdem er gestern auf der Seite "Aus aller Welt" den Aufmacher "Miss Germany: Keine Männer mehr in der Jury" gelesen und dabei erfahren hatte, dass die Kandidatinnen künftig nicht mehr leicht bekleidet über einen Laufsteg schreiten müssen: "Mal ganz ehrlich, schauen Sie sich nicht auch gern mal eine Frau in einem Bikini an?" Meine Antwort behalte ich besser mal für mich, doch kann ich verraten, dass ich mit dem Leser nicht gestritten habe, nachdem er mir seine Haltung gesagt hatte: "Ich hatte nie ein schlechtes Gewissen, mir schöne Frauen und Mädchen im Bikini anzusehen."

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