Ein Leser hat mich heute gefragt, ob meine Kollegen in der Redaktion noch bei klarem Verstand gewesen seien, als sie sich entschieden hatten, für die Ausgabe von gestern auf der Seite "Politik & Hintergrund" in dem Artikel mit der Überschrift "Trump gegen Greta in Davos: Rededuell um den Klimaschutz" die Aktivistin und den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika auf die gleiche Stufe ("und das auch noch mit einem Foto von beiden") bei der Bewertung ihrer Ansicht für die aktuelle Weltlage. Natürlich war mir klar, was der Mann in der Leitung zum Ziel hatte, doch angesichts des fehlenden Respekts gegenüber der Arbeit der Redakteure habe ich gesagt: "Ich versteh ihre Frage nicht." Also hat er sich überlegt, dass er bei mir wohl an der richtigen Adresse sei, um seinen Unmut mal in Worte fassen zu dürfen, weshalb er sich entschloss, die Sache direkter anzugehen und von mir wissen wollte: "Sind Sie auch der Meinung, dass das, was Greta Thunberg in Davos gesagt hat, die gleiche Bedeutung hat wie das des US-Präsidenten?" Geantwortet habe ich: "Nein." Er meinte dann: "Na also." Ich erwiderte: "Der jungen Frau sollte mehr Gewicht zukommen als Trump." Bis zum Ende der Unterhaltung vergingen noch genau 34 Sekunden.

Ein anderer Anrufer hat mich heute noch dies gefragt: "Können Sie sich vorstellen, dass es viele Leute gibt, die noch einen alten Ofen in ihrer Wohnung haben und darin Holz verfeuern, weil sie sich das teure Gast nicht leisten und die hohen Rechnungen nicht bezahlen können?" Meine Antwort darauf: "Ja." "Und warum setzen Sie dann einen solchen Artikel in die Zeitung, der uns wie Kriminelle dastehen lässt?". Gemeldet hatte er sich bei mir, nachdem er auf der Seite "Rat & Leben" den Bericht "Vielen Kaminen droht die Abschaltung" gelesen hatte, denn darin ging es unter anderem darum, dass es in Sachsen noch Hunderttausende Holzöfen gibt, die zu hohe Schadstoffe ausstoßen und bald nicht mehr befeuert werden dürfen." Nachdem ich den Mann in der Leitung darauf hingewiesen hatte, dass er einen Leserbrief mit seiner Meinung dazu schreiben kann, was für ihn aber nicht in Betracht käme, wie er sagte, weil er seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, aus welchen Gründen auch immer, habe ich ihm, weil sie wissen wollte, meine Meinung gesagt: "Ich denke, dass wir in einem Land leben, in dem niemand gegen Gesetze oder Bestimmungen verstoßen darf, nur weil er sparen will oder muss, denn es geht hier nicht um eher nebensächliche Dinge, sondern um den Schutz unserer Umwelt und Maßnahmen gegen den Klimawandel." Diskutieren wollte der Leser dann nicht weiter mit mir, eine Minute später war dann auch diese Unterhaltung zu Ende.

Unmittelbar danach erreicht mich eine Mail mit einem vier Seiten langen Leserbrief mit einer betrachtenden Meinung zu der Feuerkatastrophe in Down Under, warum ich davon berichte? Also: "Die sieben Posaunen und der König aller Könige" hatte der Autor seinen Text überschrieben, während er den Text so begann: "Die Buschfeuer sind nicht gewöhnlich und auch nicht vorrangig Folge des Klimawandels. Nur der Herr kann diese löschen und er hat es getan als Regenmassen, Wolkenbrüche über Australien gezogen sind. Das Volk soll dem Herrn danken, damit er es weiter gießen lässt." Ich habe mir selbst die Frage stellen müssen, ob ich daraufhin den kompletten Text lesen muss, und meine Antwort war diese: "Nein." Zwei Minuten später war meine Sprechstunde zu Ende.

Weitere Blog-Einträge