Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Man muss nicht Faust sein, um dieser Frage gerne auszuweichen. Aber man ist ja leider auch nicht Faust. Und bei unserer Großen (5) gibt es die Antwort-Optionen „Ich bin mir nicht sicher/das sieht jeder anders/frag‘ deine Patentante“ einfach nicht. Sie will eine Antwort. Und zwar sofort.

Dabei geht es gar nicht um die scheinbar simple Frage, ob es einen Gott gibt. Die haben wir per Definition gelöst, indem wir unsere Kinder taufen ließen. Damit sie, unbeschädigt von Zweifeln der Eltern, unter Gottes schützender Hand aufwachsen. Aber die Sache mit der Hand ist auch nicht so einfach. „Wenn Gott seine Hand über uns hält, dann kann er doch mit seinen Händen sonst nichts mehr machen“, stellt das Mädchen fest. Schaut man sich die Welt mal an, dann denkt man, sie könnte recht haben.

Trotzdem erkläre ich ihr, dass Gott alle Menschen liebhat. „Auch Diebe?“, so die Gegenfrage. Ja, sage ich, weil er ganz toll und riesengroß ist. Da fragt das Kind: „Denkt er das auch von sich?“

Bei welchem Religionsphilosophen muss man jetzt nachschlagen, um die geeignete Antwort auf diese Frage zu finden? Vielleicht steht sie aber auch in der Bibel. Wahrscheinlich auf derselben Seite wie die Information, ob Fische in den Himmel kommen, wenn sie tot sind. Irgendwie wäre das ja fair, aber andererseits könnten sie ohne Wasser nicht atmen, oder? Der Ausweg „es gibt auch fliegende Fische“ funktioniert nicht, das habe ich bei ihr schon versucht.

Dass man das Wort Himmel eher im übertragenen Sinn benutzt, ist ja auch schwer zu verstehen. Ebenso wie die Rituale der Kirche. Warum bekommen die Erwachsenen ein Stück Brot und Saft, während die Kinder leer ausgehen? Da kann ich der Tochter nun sagen, Kinder verstünden halt noch nicht, worum es beim Abendmahl geht. Aber, mal ehrlich: Kann ein Erwachsener die Gegenwart Gottes, symbolisch oder real, wirklich verstehen?

Ich bleibe also ratlos. Aber wenigstens die Sache mit der Gottesvorstellung ist geklärt. Die Große stellt sich Gott wie unser Haus vor, nur ohne Ecken. Das finde ich irgendwie schön. Früher glaubten die Menschen an einen alten Mann mit Rauschebart. Dann kam die Reformation und alles wurde etwas abstrakter. Heute sehen die Kinder nur noch einmal im Jahr einen Mann mit Rauschebart. Der kommt dann mit dem Schlitten und bringt Geschenke. Was das mit Gott zu tun hat, erkläre ich jetzt aber nicht. Das ist mir nun wirklich zu kompliziert.

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