Es war heute mal wieder ein typischer Mittwochvormittag, soll heißen: Zwischen zehn und zwölf habe ich insgesamt eine Stunde, 34 Minuten und 16 Sekunden (Stoppuhr im Mobiltelefon) einen Leser in der Leitung. Insgesamt habe ich elf Gespräche geführt, wobei das längste 17 Minuten und 38 Sekunden dauerte; es ging um die Frage, was man dagegen machen kann, dass die meisten Politiker eher daran denken, wie sie es schaffen können, möglichst lange ihr Mandat zu behalten, um sich um das eigene Aus- und Einkommen keine Sorgen machen zu müssen. Das kürzeste dauert weniger als eine Minute, was daran lag, dass ich der Dame leider eine Absage erteilen musste: "Nein, auch wenn wir wirklich ganz langsam sprechen und ich tatsächlich mitschreiben kann, führt kein Weg daran vorbei, dass sie Ihre Meinung, wenn Sie auf der Seite Leserforum erscheinen soll, aufschreiben und uns zuschicken."

Die Unterhaltung mit dem meisten emotionalen Erregungspotenzial (aus Sicht des Anrufer, nicht aus meiner) endete mit dieser ultimativen Drohung (aus der Sicht des Anrufers, nicht aus meiner): "Dann wende ich mich ans Fernsehen, sie werden schon sehen, was sie davon haben, diesen Skandal nicht ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen." Dies war dem Mann passiert: Weil er sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr in der Lage sah, eine längere Streck zu Fuß zurückzulegen, hatte er vor dem Besuch seines Hausarztes sein Auto im Parkverbot abgestellt, hatte dafür ein Knöllchen über 15 Euro bekommen und weigerte sich nun, diese Strafe zu zahlen, weil die Gesundheit eines Menschen doch wohl wichtiger sei als ein solches Verbot, zumal er seinen Wagen auch noch so abgestellt hatte, dass es für nichts und niemanden eine Behinderung gewesen wäre. "Hätte ich lieber während der 400 Meter vom nächsten Parkplatz bis zu meiner Ärztin vor Erschöpfung umfallen sollen?", war seine abschießende Frage an mich, womit das Ende des Gesprächs einläutet wurde, denn ich konnte ihm leider keine Antwort darauf geben.

Bei dem Anliegen eines Lesers mit dem meisten emotionalen Erregungspotenzials für mich ist es wohl am sinnvollsten, wenn ich den Mann einfach mal wörtlich zitiere und mir, weil das wohl nicht nötig ist, jeden weiteren Kommentar dazu verkneife: "Heute Vormittag hatten wir noch schönen blauen Himmel. Jetzt trübt sich der Himmel durch die Kondensstreifenmuster ein. Wer veranlasst das? Was ist der Zweck? Bitte helfen Sie mir das herauszufinden."

Und dann gab es noch die Frage eines Lesers, die mich wirklich berührt und betroffen gemacht hat, gerade weil ich keine Antwort hatte und mir auch ziemlich sicher war, dass niemand sonst über eine verfügen könnte. Darum ging es: "Meine Frau ist vor drei Jahren gestorben," meinte der Mann und fügte hinzu: "Jetzt ist schon wieder ein Brief für sie gekommen, in dem steht, dass sie eine achttägige Traumreise im Wert von 1000 Euro gewonnen hat. Können Sie mir sagen, was ich machen kann, damit das endlich aufhört?"

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