Teilen ist schwer, sich mitteilen fällt leichter. Das geht doch uns allen so, und meine große Tochter bildet da keine Ausnahme.

Neulich beim Martinsfest im Kindergarten: Endlich hatte ich den Knüppelkuchen so lange über dem Feuer gedreht, bis er zumindest annähernd gar war. (Ich finde es ja immer nett, wenn bei solchen Festen auch an Beschäftigung für die Eltern gedacht ist. Falls jemand jemals ein Kind gesehen hat, das sein Stockbrot selbst zubereitete, bitte bei mir melden. Ich würde glatt was darüber schreiben.)

Jedenfalls war der Teigklumpen fertig. Ich zerbrach ihn in zwei Teile, die Große verspeiste ihren und riss dann dem kleinen Bruder die Hälfte seines Stückes aus der Hand. Nicht, ohne stolz zu verkünden: "Ich hab das mit ihm geteilt!" Da fragte ich mich: Können Kinder heutzutage überhaupt noch teilen? Oder werden sie, wenn sie größer sind, nur noch bei Facebook einen Link "teilen", und dann denken, sie hätten ein gutes Werk getan?

Wenn sie klein sind, verlangt man ja noch, dass sie wenigstens mal ihre Gummibärchen mit ihrer Freundin teilen. Da stellte sich bei uns nun aber das Problem, dass in dem kleinen Päckchen genau neun Bären steckten. Die Mathematik war mit etwas Hilfe schnell gelöst, und die Tatsache, dass beiden Mädchen je viereinhalb Gummibärchen zustanden – genau so viele, wie alt sie sind! – , löste wahre Begeisterungsstürme aus.

Aber was tun mit dem Neunten? Die Option "Du kannst ruhig eins mehr haben" scheidet natürlich aus. Der heilige Martin hat schließlich auch nicht seinen ganzen Mantel hergegeben. Also: Das Gummibärchen musste aufgeteilt werden. Haben Sie schon mal versucht, ein Gummibärchen zu zerreißen? Das ist wirklich nicht so einfach. Die Lösung: Abwechselnd lutschen. Bei Kindern gibt es eben noch wahre Freundschaft.

Und vielleicht sogar wahre Großzügigkeit? Vor ein paar Tagen blieb mir der Mund offen stehen, als mir die Große freiwillig noch ein drittes Stück von ihrem Keks anbot. Obwohl ich ihr nur diesen einen Keks erlaubt hatte.

Als er aufgegessen war, grinste sie mich an: "Jetzt hatte ich ja nur ganz wenig. Da bekomme ich noch einen Zweiten." Das ist ungefähr so, als würde man sein Geld in eine Stiftung geben, um es vor dem Fiskus zu verstecken. Man „teilt“, um seinen Besitz zu mehren. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob das gemeint ist mit dem Spruch "Geteilte Freude ist doppelte Freude".

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