Wer sich diese Frage schon mal gestellt und keine befriedigende Antwort darauf gefunden hat, wird auch jetzt keine erhalten, sich aber daran erinnern, wenn er die erste Episode meiner Randnotizen aus den Protokollen der Gespräche mit Lesern zum Wochenausklang liest, dass ihm dies auch schon mal aufgefallen ist, weil er der Meinung war, dass er die Monatszeitschrift des Automobilclubs schon bei der letzten, wenn nicht sogar auch schon bei der vorletzten Routineuntersuchung beim Zahnarzt durchgeblättert hatte.

Episode 1: Der Mann verwies mich als erstes auf die Quelle der Information, die ihn dazu veranlasst hatte, mich anzurufen: "Das war eine Illustrierte, die bei meinem Hausarzt im Wartezimmer auf dem Tisch lag, aber an den Titel kann ich mich nicht erinnern, und ich denke, dass sie da auch schon mindestens ein oder sogar zwei Jahre lang liegt." Trotz meiner Bedenken, die ich ihm mit dem Satz "nichts ist älter als die Nachricht von gestern" zu erläutern versuchte, durfte er seine Frage stellen: "Da war zu lesen, dass in einem Bundesland, von dem ich nicht mehr weiß, welches es war, die Polizei neue Uniformen bekommen hat und dann herauskam, dass diese in einem Entwicklungsland von Billiglohnarbeitern hergestellt worden sind. Können Sie mal recherchieren, ob das stimmt und was daraus geworden ist?" Liebe Kollegen in der Redaktion: Bitte kümmert Euch.

Episode 2: "Darf ich ihnen mal etwas erzählen?", fragte mich der Anrufer, der sich dann erst vorstellte, weil ich ihn darum gebeten hatte, aber mir dies sagen durfte er dann: "In einem Film der Olsenbande wurde gezeigt, wie Egon in aller Seelenruhe im Keller den Tresor leerräumte, währen oben im Foyer der Bank eine Hundertschaft an Polizisten wuselte, um einen leeren Tortenkarton zu sichern, den Benni dort aus Versehen dort liegengelassen hatte." Weil er an dieser Stelle eine Pause einlegte, fragt ich (wunschgemäß): "Und warum erzählen Sie mir das?" Seine Antwort: "Weil ich mich nach dem Bericht über die Sicherheitsmängel an deutschen Flughäfen daran erinnert habe." Da wollte ich wissen: "Wann und auf welcher Seite hat der Artikel in der Zeitung gestanden?" Seine Antwort: "Gar nicht." Weil mich das in diesem Moment sprachlos machte, ich also mindestens fünf Sekunden gar nichts sagt, meinte der Mann mich informieren zu müssen: "Ich habe im Fernsehen gesehen." Dann hörte ich, weil ich ihn selbstverständlich fragte, warum er dann mich angerufen hat, meine absolute Lieblingsantwort für solche von Lesern vorgetragenen Anliegen; es ist eine Frage: "Wen sonst?"

Episode 3: Bevor man den Grund verstehen kann, warum ich diese kleine Geschichte überhaupt erzähle, muss man wissen, dass ich persönlich mit zwei Charaktereigenschaften von Menschen nur schlecht umgehen kann, was bedeutet, dass ich dann eher auf Distanz zu solchen Leuten gehe: Neid und Eifersucht. Weil das bei dieser Beschwerde eines Leser der Fall war, berichte davon, denn ich befinde mich dann immer in der Zwickmühle, weil ich nicht weiß, ob ich sagen soll, was ich denke, oder ob ich dem Anrufer meine persönliche Meinung anbiete. Nun denn: Der Artikel "David Guetta: Partys sind nur Teil der Realität", der am Mittwoch unter der Rubrik "Leute heute" auf der Seite "Aus aller Welt" zu lesen war, hatte den Mann derart aufgeregt, dass er sich bei mir Luft verschaffen musste. Er meinte:  Mit einem Einkommen von 175.000 Euro pro Auftritt (Anmerkung: Seinen Angaben zufolge, war das der niedrigste Betrag, den er im Internet recherchiert hatte.) kann man also nicht beruhigt sieben Stunden schlafen; ist ja nur das fünffache Einkommen von dem, das ein Werktätiger im Jahr bekommt." Dann fügte er noch hinzu: Schichtarbeiter, und schon gar nicht von Rollender Woche zu sprechen, haben auch keinen geregelten Schlaf. Diese müssen, soweit es die Gesundheit zulässt, ihr ganzes Arbeitsleben damit zurechtkommen. Der gestresste Mann muss sich doch angesichts seines Millionenvermögens diesem Stress nicht wirklich aussetzen." Meine Entscheidung in diesem Fall: Ich habe geschwiegen.

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