Dass ich mich darüber freue, wäre übertrieben und des Guten zu viel, doch es gibt mir schon ein nicht gerade schlechtes Gefühl zu wissen, dass es in meiner Arbeit so etwas wie unumstößliche Komponenten gibt, auf die ich mich verlassen kann, weil immer das eine so ist, wie es ist und immer so bleiben wird, und dass es gerade deshalb bei den Lesern immer die gleiche oder zumindest ähnliche Reaktion auslöst und sie mich anrufen, weil sie meinen, dass meine Kollegen mal darüber schreiben könnten beziehungsweise sogar müssten, damit sich etwas daran ändert und es dann eben nicht mehr so ist, wie es schon immer war, und sie sich nicht mehr deswegen ärgern müssen. Alles klar? Nein? Dann vielleicht gleich etwas besser, wenn ich von diesem aktuellen Beispiel erzählt habe. Also:

Jedes Jahr wieder gibt es vom Herbst bis in das Frühjahr hinein eine Erkältungs- und Grippewelle. Verantwortlich dafür sind von Mensch zu Mensch sich übertragene Viren und Bakterien. Eine Möglichkeit des Schutzes ist das häufige und vor allem gründliche Waschen der Hände. Die im Einzelhandel beschäftigen Personen haben in diesem Zusammenhang ein Problem. Das sind die Herausgabe der Ware und das sich unmittelbar anschließende Entgegennehmen des Bargeldes. Besonders kritisch ist dies beim Verkauf von nicht verpackten Lebensmitteln. Geldscheine und Münzen sind bekanntlich niemals ganz frei von Keimen und oft auch mit Viren kontaminiert.  In einer Bäckerei beispielsweise greift die Angestellte nach dem Brot und steckt es in eine Tüte. Anschließend reicht sie diese dem Kunden und nimmt dafür das Geld entgegen. Dieser Vorgang wiederholt sich in ähnlicher Weise mehrfach und eigentlich ununterbrochen. Als ein diesen Vorgang beobachtender Kaufinteressent dürfen mir Zweifel kommen. Haben es Viren und Bakterien von dem Geldschein des Kunden vor mir über die Hände des Personals auf mein dann gekauftes Brot geschafft? Auf dieses Problem hat mich in den vergangenen Jahren während jeder kalten Jahreszeit mindestens ein Leser aufmerksam gemacht und eine investigative Recherche dazu verlangt. Diesmal hat es allerdings bis zum 19. März gedauert:

"Hat es Sie auch erwischt? Husten, Schnupfen, Heiserkeit? Und haben Sie sich eventuell auch die Frage gestellt, wie Sie dazu gekommen sein könnten?" fragte er mich und fügte noch hinzu: "Vielleicht haben Sie ja kürzlich einfach mal nur ein Brot oder ein paar Brötchen beim Bäcker gekauft. Die Chance, sich dort anzustecken, ist wahrscheinlich größer, als Sie denken. Denn nur bei den wenigsten Verkäufern von Backwaren ist es hierzulande offenbar Standard, mit Handschuhen zu arbeiten." Er meinte dann noch, seinem Thema etwas Nachdruck verleihen zu können, indem er mich dazu aufforderte, doch einfach selbst mal beim nächsten Einkauf darauf zu achten, ob ich beim Bäcker von einer Hand bedient werde, die beides angefasst habe, nämlich Geld und Ware. Also habe ich ihm versichert, dass ich meine Kollegen in der Redaktion über seinen Hinweis informieren werde. Allerdings bin ich schon seit ein paar Jahren dazu übergegangen, meine eigene Meinung für mich zu behalten, denn bei den Anrufern ist sie nie gut angekommen. Welche das ist? Sorry, wer sie von mir erfahren möchte, muss in diesem Fall mit mir Kontakt aufnehmen, denn ich lebe gerade in eher schwierigen Zeiten und möchte deshalb die Angriffsflächen so klein wie möglich halten.

Und noch etwas: Diesen Blogeintrag widme ich meiner Kollegin, die mich kürzlich darüber informiert hat, dass sie meine Texte hier nicht mehr liest, weil ich zu viele komplizierte Schachtelsätze schreibe und sie sich überfordert fühlt. Also, liebe H.: Du hast Recht (siehe erster Absatz), aber ich kann auch anders (siehe zweiter Absatz).

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