Der erste Arbeitstag in der neuen Woche begann mit einem nicht ganz einfachen Gespräch, denn die Frau in der Leitung wollte mit mir und sonst niemanden darüber reden, was die Hygiene- und Abstandsregelungen in Kindereinrichtungen für die Notbetreuung von Krippenkindern bedeutet, denn für die Kleinsten sei doch die körperliche Nähe zu anderen Menschen auf jeden Fall unverzichtbar. Da sie auch die Telefonnummern von Kollegen in der Redaktion, von denen ich mir vorstellen konnte, dass sie im Gegensatz zu mir einen Bezug zu diesem Thema haben, nicht haben wollte, weil sie ihren Angaben zufolge keine Zeit für einen zweiten Anruf habe, ist diese Unterhaltung ohne ein Ergebnis zu Ende gegangen, weil auch mein Vorschlag, ihre Ansichten aufzuschreiben und mir zu schicken, auf keinen fruchtbaren Boden fiel und die Anruferin zu dieser Aussage verleitete: "Soweit kommt das noch." Erst wenige Minuten hatte ich mich die Arbeit für die nächste Ausgabe des "Leserforums" vertieft, als das Telefon erneut klingelte und ich ein weiteres Mal überfordert war und sagen musste: "Tut mir leid, da kenne ich mich einfach viel zu wenig aus, darf ich Ihnen die Telefonnummer eines Kollegen geben?" Durfte ich (natürlich) nicht, denn dem Anrufer ging es, was mir von Anfang an eigentlich klar war, in erster Linie darum, seinem (leicht) angestauten Ärger ein Ventil zum Abbau seiner Gefühle zu verschaffen. Nun wird er darüber nachdenken, ob er mir schreiben soll, was er davon hält, dass der Profifußball in Deutschland überwiegend auch durch die TV-Übertragungsrechte und damit seinen Rundfunkgebühren finanziert wird, damit ich seine Meinung als Leserbrief veröffentlichen kann. Seine klare Haltung zu einem möglichen Neustart in der Bundesliga: "Die Elitekicker sollen genauso lange bluten wie wir einfachen Leute." Das war der Punkt, an dem ich dachte: Den Montag sollte man abschaffen. Doch dann erreichte mich doch noch die Meinung einer Leserin, die mich zumindest im positiven Sinne zum Nachdenken angeregt hat. Es ging ihr um die Nachricht, dass den Menschen in Kriegsgebieten zu mehr Möglichkeiten verholfen werden soll, sich vor dem Virus zu schützen. Die Frau meinte: "Man will in Kriegsgebieten doch wahrhaftig die Menschen vor einem Virus schützen, damit sie dann im Vollbesitz ihrer Gesundheit im Bomben- oder Kugelhagel sterben oder verstümmelt werden - oder vielleicht lieber verhungern?" Für ihre Empörung darüber hatte ich vollstes Verständnis, und das will etwas heißen, denke ich, in diesen nicht einfachen Zeiten.

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