Die Drohung war eine ultimative, eine andere als die von dem Leser geforderte Reaktion war für ihn nicht akzeptabel: "Wenn Ihre Zeitung mir keine Maske zukommen lässt, werde ich sie nach mehr als 50 Jahren künftig nicht mehr lesen." Der Mann ist 80 Jahre alt, hat kein Internet und war in der einzigen Apotheke im Ort, nur um dort zu erfahren, dass es dort momentan keine Masken zu kaufen gibt. Ob er einen Schal besitzt, habe ich ihn gefragt, weil er offenbar in seiner Bäckerei wegen der fehlenden Bedeckung von Mund und Nase nicht bedient worden war, doch statt eine Antwort habe ich nur von ihm erfahren, dass es darum nicht gehe, weil in der Zeitung immer nur Leute mit einer tatsächlichen Maske zu sehen sein, weshalb für ihn nicht anderes infrage käme. Der einzige Mensch mit Internet, den er kennt, sei seine Tochter, die könne ihn aber zurzeit nicht besuchen. Dass man im Netz einen solchen Mundschutz bestellen und an eine andere, in diesem Fall an seine Adresse liefern lassen kann, war dann die Information, die für ihn das Fass zum überlaufen brachte und er sagte: "Sie verstehen mich nicht, ich breche das Gespräch an dieser Stelle ab." Ein weiteres Mal überfordert war ich dann nur wenige Minuten später, weil ich einem Leser die Frage nicht beantworten konnte, ob ein Gesichtsschutz aus Hartplastik beziehungsweise ein solches Visier, wie beispielsweise Schweißer es bei der Arbeit benutzen, auch getragen werden darf in diesen Zeiten, um Mund und Nase zu bedecken, doch dieser Anrufer war dann wenigstens mit meiner abschließenden Reaktion zufrieden, es war diese: "Ich gebe die Frage an die für dieses Thema zuständigen Kollegen in der Redaktion weiter." Wirklich von Herzen froh war ich dann aber doch noch, weil es mir gelungen ist, die Frau in der Leitung zu beruhigen, denn sie hatte sich große Sorgen gemacht, ob "Onkel Max" vielleicht ein Opfer des Virus geworden sei, weil sie sich von der Telefonzentrale mit ihm verbinden lassen wollte, doch erfahren hatte, dass das zurzeit nicht möglich sei und sie doch bitte eine Mail schreiben soll. Ich habe sie vor Erleichterung seufzen hören, nachdem ich ihr mitgeteilt hatte: "Onkel Max macht Homeoffice." Ob ich in den Gesprächen mit Lesern immer ehrlich bin? Aber sicher doch, nur manchmal schweige ich lieber, um es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen zu müssen, wie bei der Unterhaltung mit dem Anrufer über den Artikel "Mehr als nur ein Lied" gestern auf der Seite "Zeitgeschehen". Denn dass ich ein nicht ganz einfaches, vielleicht sogar etwas gestörtes Verhältnis zum Steigerlied habe, habe ich für mich behalten, weil der Mann in der Leitung so begeistert darüber war, was er in dem Bericht über diese Hymne gelesen hat. Ganz ehrlich? Der Versuchung habe ich nicht widerstehen können, weil ich zu den Menschen gehöre, die vom Blatt singen können, und habe mit Verweis auf die gezeigten Noten von "Glück auf, Glück auf …" gesagt: "Na dann, los geht's, zwei, drei, vier: Mmmh mmmh mmmh mmmh …" (Kleine Sekunde, Kleine Terz, Große Sekunde – kein Problem für mich)

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