Neben unserer Haustür hängt eine Pinnwand. Und an ihr: sehr sehr starke Magneten. Sie halten die Gutscheine fest, mit denen mich Kind 1 und Kind 2 beschenken. Brüderchen und Schwesterchen hängen finanziell am Tropf, sie sind praktisch mittellos. Deshalb malen sie Gutscheine. Ich besitze jedenfalls eine Menge von den Dingern. Und nichts, wirklich überhaupt nichts geht über ein ideelles Geschenk, das von Herzen kommt und dessen Schenker sich einen Kopf macht über die ideellen Herzenswünsche des Beschenkten.

Kind 1, mein Sohn, ist der praktische Typ. Seine Geschenkgutscheine sind so groß wie die Essensmarken früher bei der Kinder- und Jugendspartakiade. Darauf stehen die Dienstleistungen, die mich erwarten. Rückenmassage. Staubsaugen (Wir besitzen einen Saug-Roboter). Massage. Im Auto Müll aufsammeln. Zimmer aufräumen. Einmal mit dem Fahrrad nebenher fahren, wenn ich joggen gehe. Signiert sind sie mit „Chef von P.S.“. Bei P. S. handelt es sich um den Planeten Spiegelei, den der Junge erfunden hat.

Meine Tochter malt mir Gutscheine, die zum Einlösen viel zu schön sind. Sie haben Hausaufgabenheft-Format und sind mit herzerwärmenden Danksagungen dekoriert. Mein Lieblings-Danksagungsspruch ist dieser: „Wenn ich mir eine andere Mutter wünschen könnte, dann wäre sie genauso wie du!“

Weil mir gestern langweilig war, pflückte ich mir Gutscheine von der Pinnwand. Ich wollte mit den Kindern eine Radtour machen und mich anschließend massieren lassen. Danach sollten die Kinder den Tisch für das Abendessen decken und mich anschließend gründlich an den Fußreflexzonen massieren. Ich ging zum Trampolin, auf dem die Kinder hüpften, und wedelte mit meinem Verwöhnpaket aus buntem Papier. Kind 1 blätterte durch und blieb an den vier Radtour-Gutscheinen hängen. Dann schaute mich mein Sohn mitleidig an und sagte: „Ist jeweils nur ein Kilometer. Gilt außerdem nicht am Wochenende.“ Die Massagen finden nur vormittags statt, was ja nun vorbei war, und der Tischdeck-Gutschein ist im September abgelaufen. Kind 1 sagte, ich soll mich nicht ärgern, denn Ärgern macht Falten. Anschließend bat er mich, ihm ein Getränk zu holen und ein bisschen Schokolade. Er sagte „Bitte!“

Ich erwähne das alles, weil ich bald Geburtstag habe. Meine Kinder werden mich fragen, was ich mir wünsche. Und ich hätte gern wieder Gutscheine. Ich liebe sie.

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