So, jetzt will ich hier auch mal was sagen. Ich, der Kleine. Ich bin nämlich jetzt da. Frisch geschlüpft, sozusagen. Heutzutage verkündet man so etwas ja in der Zeitung. Oder tippt es ins Handy. Früher pinselten die Leute einen Klapperstorch vors Haus, wenn welche wie ich neu angekommen waren. Was auch immer der damit zu tun hat. Also, ich würde mich von so einem komischen Vogel nicht transportieren lassen… Meine Kollegen aus Frankreich haben mir etwas noch Seltsameres erzählt. Dort machte man den Kindern früher weis, dass wir in Kohlköpfen zu finden seien. Stelle ich mir auch unbequem vor. Jedenfalls kann ich versichern, dass es bei mir anders war.

Egal, jetzt bin ich hier. Und die meisten Leute scheinen sich darüber zu freuen. Bin gespannt, wie lange noch. Wartet nur, bis ich den ersten Unfug treibe… Bis jetzt schauen mich die großen Menschen meistens ganz entzückt an, als hätten sie noch nie ein Baby gesehen. Dabei waren sie doch selbst mal eins! Und das Erste, was ihnen dann einfällt, ist ein Kommentar zu meiner Frisur. Nun ja, ich hab halt lange Haare. Auf jeden Fall längere als Mama und Papa. Ich trage sie als Pilzkopf mit Koteletten und dezenten blonden Strähnchen. Das ist jetzt modern, Undercut war gestern. Und ein Säugling, der was auf sich hält, achtet auf sein Äußeres.

Wie ich diese Welt so finde? Sie ist hell, laut und stinkt. Aber wenigstens ist die Versorgung im "Grand Hotel Mama und Papa" recht gut. Ich habe Vollpension an der Milchbar und wenn ich höflich darum bitte, bekomme ich auch einen Extraschluck. Der Reinigungsservice ist ebenfalls okay. Für die Animation sind meine beiden großen Geschwister zuständig. Und wenn mir das zu viel wird, lasse ich mich einfach in meine private Luxussuite tragen. Natürlich ist das Personal etwas begriffsstutzig. Offenbar verstehen die Erwachsenen meine Sprache nicht. Aber das lernen sie noch. Insgesamt bin ich zufrieden mit meiner Unterkunft und werde sie auf Trip Advisor weiterempfehlen.

So, jetzt werde ich mir mal einen Känguru-Shuttle organisieren, um ein bisschen durch die Stadt zu spazieren. Meine Mama ist neuerdings ein Beuteltier: Sie schnallt mich in einer Trage vor den Bauch und dann geht’s los. Natürlich hab ich auch einen Kinderwagen, wie es sich gehört. Aber mit dem passt man ja in der Altstadt kaum durch die Türen. Da lasse ich mich doch lieber tragen. Und wenn ich davon müde werde, schnarche ich einfach 'ne Runde.

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