Wir haben einen Neuzugang in der Familie. Jahrelang bettelte Kind 1 verzweifelt darum. Der Junge drohte mit Auszug, wenn wir nicht eines Tages der Erweiterung dieses langweiligen familiären Mikrokosmos zustimmen würden. Das haben wir jetzt getan, ganz spontan.


Nun ist also ein Hund bei uns eingezogen. Helga. Sie trägt nutellafarbenes kurzes Fell, was ihr sehr gut steht. Helga ist ein Zwergdackelkind und so groß wie die Jagdwürste, die wir für unsere Spaghetti braten. Ansonsten ist alles dran, was ein Hund braucht. Helgas Einzug liegt ein paar Tage zurück. Sie wedelte mit dem Schwänzchen, dackelte durch die Tür und schaute sich ein bisschen um. Gelegentlich pinkelte sie, denn Helga ist noch nicht stubenrein. Aber wir haben Steinfußboden, was ihr kleines Problem etwas entspannter macht. Seltsamerweise stört sich mein Mann kaum an ihrer infantilen Blasenschwäche, sondern nimmt Helga in Schutz. Schließlich sei sie ein Baby und müsse lernen, was die Umwelt von ihr verlange. Eigentlich stört sich mein Mann an allem, was Dreck verliert. Meistens sind das Kind 1, Kind 2 und ich. Neulich ließen wir uns gehen, die Kinder und ich. Wir hockten auf dem Sofa, sahen fern und aßen Chips. Er kam vom Sport, saugte uns mit dem Handstaubsauger ab und reichte uns Tellerchen und Servietten.

Bei Helga ist das anders. Mein Mann redet mit ihr, als wäre sie seine Tochter. Neulich lag sie auf seinem Schoß und ließ sich den Bauch kraulen. Sie hielt dabei die Augen geschlossen und wirkte entspannt. Kurz hielt er auf mit der Kraulerei, da öffnete Helga ein Auge und winselte. „Bestimmt Blähungen“, sagte mein Mann. „Blähungen“, wiederholte ich. Einen Tag später schenkte er ihr getrocknete Kaninchenohren. Die seien gut verdaulich, ideal bei

Dreimonatskoliken. Helga nahm das Ohr ins Schnäuzchen und dackelte damit durchs Wohnzimmer. Ab und zu hockte sie sich hin und kaute gierig auf dem stinkenden Ohr herum. Man sah genau, wo sie ihre Pausen machte. An diesen Stellen glänzten fettige Sabberkleckse auf dem Steinboden. Mein Mann sagte: „Helgi muss noch lernen, dass man Essen nicht durch die Gegend schleppt.“ Helga nahm ihr Ohr und reiste weiter in den Flur.

In ihrer ersten Nacht schlief Helga in der Küche. Gegen Mitternacht bellte sie. Etwas später stand die Familie ratlos versammelt vor ihrem Körbchen. „Sie fürchtet sich allein“, sagte mein Mann, nahm Helga auf den Arm und stellte ihr Körbchen ins Schlafzimmer. Sie sah mich an und lächelte.

Weitere Blog-Einträge


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN