Dieser Blogeintrag fängt mal wieder mit einer Frage an, wobei ich jeden, der diese Zeilen gerade liest, bitten möchte, ehrlich zu sich selbst zu sein, zumal das ohnehin niemand merken würde, wenn mal schnell eben bei Google nachschaut, und nicht zu flunkern. Also: Gender Pay Gap - was bedeutet diese Bezeichnung beziehungsweise wie lautet eine möglichst genaue Definition dieses englischen Begriffs aus der Sozialökonomie?  Keine Ahnung? Nun denn, ich verrate es jetzt einfach mal auch nicht, denn mein Kollege, der den Artikel, um den es geht, zu verantworten hat, meinte zu mir, dass dieser Terminus längst in der Umgangssprache so gebräuchlich wäre, dass man ihn nicht mehr extra erklären muss, wenn in einem Bericht davon die Rede ist. So wie heute auf der Seite "Kultur & Service" unter der Überschrift "Orchester verzeichnen weiblichen Zuwachs" im letzten Satz: "Die Vereinigung sieht deswegen im Vergleich zu anderen Feldern des Kultursektors und vielen Wirtschaftszweigen keinen Gender Pay Gap." Alles klar - oder doch mal kurz die Suchmaschine befragen? Drei Leser haben mich heute deswegen angerufen und sich von mir erklären lassen, was Gender Pay Gap bedeutet. 

Und unter anderem deshalb habe ich, obwohl ich zuvor lange mit mir gerungen hatte, diese Entscheidung getroffen: Ich werde doch morgen ins Büro kommen, arbeiten und so tun, als wäre alles ganz normal, was ich dann zwischen zehn und zwölf erlebe. Denn vor einem Jahr habe ich an dieser Stelle meinen Blogeintrag mit "Also: Alles Gute, Ihr Frauen" überschrieben und darin zum Ausdruck gebracht, dass ich nächstes Jahr (also morgen) am 8. März mir einen freien Tag gönnen werde, weil meine Kollegen zwar den Internationalen Frauentag zum Anlass nehmen, den einen oder anderen Bericht oder vielleicht auch nur eine Fotonachricht dazu ins Blatt zu heben, aber dass das nach Ansicht vieler Leser mit Sicherheit nicht ausreichend sein wird, um diesen besonderen Tat gebührend zu würdigen.  Erinnern möchte ich auch noch an meine Kolumne auf der Seite "Leserforum" dazu vor einem Jahr, sie hatte die Überschrift "Und die Blume?", denn ich hatte dort geschrieben, dass ich im nächsten Jahr an dem Tag vor dem Frauentag (also heute) zum Chefredakteur gehen und ihm sagen werde: Bitte lassen Sie sich mit einem Blumenstrauß in der Hand fotografieren und gratulieren Sie morgen mit diesem Bild auf der Titelseite allen Leserinnen der „Freien Presse“ zum Frauentag. Damals hatten an einem Vormittag 13 Leute (genauso viel Männer wie Frauen) angerufen und sich beschwert, dass gar nichts oder zu wenig aus Anlass des Frauentages in der Zeitung zu lesen war. Ganz ehrlich? Ich habe den Chefredakteur vorhin auf dem Gang getroffen, getraut habe ich mich dann aber doch nicht, weshalb ich wohl in den sauren Apfel beißen und morgen arbeiten muss.

Und damit ich meine Hände in Unschuld waschen kann, dies von mir in weiser Voraussicht: Liebe Leserinnen meiner Blogeinträge, ich wünsche Ihnen und Euch heute schon mal alles Gute und Liebe zum Frauentag.

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