Zu den Redewendungen, die ich in Gesprächen mit Lesern gerne einmal an die Frau oder an den Mann bringe, weil ich davon überzeugt bin, dass sie ziemlich genau auf den Punkt bringen, was ich dem Anrufer sagen möchte, gehört unter anderem diese: Man sollte Äpfel nicht mit Birnen vergleichen. Dass ich aber fast immer, wenn ich diese Unvergleichbarkeit von zwei vermeintlichen Tatsachen in die Diskussion einfließen lasse, damit gehörig auf die Nase falle und die Leute in der Leitung dazu auffordere, ihrem angestauten Ärger noch mehr (verbale) Luft zu verschaffen, gehört zu den Dingen, die ich zu schätzen weiß, weil sie mir das Gefühl und die Sicherheit geben, mich selbst auch nicht verbiegen zu müssen, wenn es darum geht, Haltung zu zeigen. Einfacher ausgedrückt: Oft bereitet es mir eine (fast) diebische Freude, die Äpfel und Birnen mit einfließen zu lassen. Aktuell habe ich mir dies gleich zweimal gegönnt.

"Die Immunität von Alexander Gauland wurde wegen einer vermeintlichen Steuerhinterziehung von ein paar Tausend Euro aufgehoben, während Ursula von der Leyen als Verteidigungsministerin mehrere hundert Millionen für merkwürdige Beraterverträge verballert hat", meinte eine Leser und fragte mich: "Was ist da wohl das größere Vergehen, was meinen Sie?" Nach meinen Äpfel- und Birnen-Vergleich war die Unterhaltung dann schon wieder zu Ende, wobei der Mann auch hier das letzte Wort haben darf, ich verzichte gern: "Hätte ich mir denken können, schließlich gehören Sie auch zu dieser (...)-Presse." Die zweite Unterhaltung war dann allerdings nicht wirklich eine, was in diesem Fall bedeutet, dass die Leserin nach meinem Hinweis auf den nicht zulässigen Vergleich von Äpfeln und Birnen mir zwar noch etwa zwei Minuten lang ihren Standpunkt erläutern durfte, aber dann mit dem Hinweis "hat ja doch keinen Zweck" auf einen weiteren Austausch von Argumenten verzichtete. Sie meinte: Dass die sächsische Justizministerin Katja Meier als Teenager Bassistin einer Punkband war, zu deren Repertoire die Zeile „Advent, Advent – ein Bulle brennt“ gehörte, sei genauso wenig zu tolerieren, wie die Tatsache, dass der zurückgetretene evangelische Landesbischof Carsten Rentzing in seiner Studienzeit nationalistische und anti-demokratische Texte verfasst haben soll. Ihr Schlusswort: "Hier wird mit zweierlei Maß gemessen, das ist in meinen Augen verwerflich, die Ministerin sollte auch zurücktreten." Dann habe ich im Netz noch nach einem Beispiel gesucht, das ich anbringen würde, wenn ich diese Redewendung erklären müsste; dies hat mir am besten gefallen: "Wer die Aufhebung des Cannabisverbots mit der Aufhebung aller oft übertretenen Straßenverkehrsregeln wie zum Beispiel Geschwindigkeitsbegrenzungen vergleicht, der vergleicht Äpfel mit Birnen." So sehe ich das.

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