Ein Leser hat mich heute angerufen und geschildert, wie er in einer Bäckerei beobachten konnte, dass eine Kundin ihren Stoffbeutel über die Ladentheke reichte, die Verkäuferin einige Brötchen darin verstaute und ihn wieder der Frau gab, während diese eine Geldschein nahm und der Mitarbeiterin gab, die ihn sich griff und gleich sofort aus der Kasse ein Münzen nahm und der Kundin das Wechselgeld in Hand legte. Warum der Mann mir das erzählte? Er darf es selbst sagen: "Alle reden gerade von Hygiene, und ich muss mir so etwas anschauen und werde auch dumm zugelabert, als ich die beiden Frauen darauf hinweise, dass sie wegen des Coronavirus mal über ihr Verhalten nachdenken sollten." Fünf Minuten später durfte ich mir (wieder einmal) anhören, dass die "Freie Presse" weiterhin alles daran setzt, die Erinnerung an die DDR immer blasser werden zu lassen, was man nach Ansicht des Anrufers als "vorsätzliche Geschichtsglättung" interpretieren könne. Was war geschehen? Der Mann hatte den Bericht "Mopedführerschein ab 15 Jahren möglich" gelesen, wobei ihm dies aufgefallen war: "Warum gibt es in diesem Artikel keine Anmerkung dazu, dass es in der DDR den Mopedführerschein schon ab 15 Jahren gab - Absicht?" Nur schwer konnte ich ihn davon überzeugen, dass meine Kollegen wohl kaum daran gedacht haben, dass es 30 Jahre nach der Wende immer noch erforderlich sei, an das zu erinnern, was die DDR "auch an guten Seiten" gehabt hat, doch schließlich war der Leser noch zufrieden, weil er mir dies mitteilen durfte: "Die Mopeds fuhren damals viel schnelle als nur 60 km/h, dagegen sind die heutigen Mopeds nur schnellere Fahrräder." Worüber ich mich heute noch freuen durfte, zumal ich schon lange aufgehört habe, mich darüber zu wundern, war die Tatsache, dass wieder einmal ein Leser mich an das Theaterstücke "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" von Bertolt Brecht erinnert hat, denn er wollte mit mir über die für morgen angesetzte Wahl des neuen Thüringer Ministerpräsidenten und den Bericht "Konfrontation in Thüringen: Höcke tritt gegen Ramelow an" von heute sprechen und zitierte daraus: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch". Natürlich durfte mir der Mann auch noch eine Interpretation anbieten: "Die Geschichte wiederholt sich, weil die Menschheit nicht bereit ist, aus ihr zu lernen, und dahinter steckt die Gier nach Macht und Geld." Auf die letzte Frage eines Anrufers hatte ich dann heute zwar eine zoologische Antwort, aber das war nicht die, von der meinte, dass er sie wirklich hören wollte, denn dies war sein Anliegen: "Warum nennen alle den Einkauf von Lebensmitteln auf Vorrat eigentlich abwertend Hamsterkäufe?" Meine Frage in den unendlichen Raum des Intranets: Ist Hamsterkäufe wirklich eine diskreditierende Bezeichnung?

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