Nach einer Urlaubspause warte ich meistens auf eine (von mir so genannte) Initialzündung, um mit dem Schreiben meiner Blogeinträge wieder zu beginnen. Heute um kurz nach zehn war es so weit: "Kann ich mal mit Ihnen über den Artikel reden?" fragte mich der Mann in der Leitung und nannte mir mit "Wirt nach Überfall noch im Krankenhaus" die Überschrift des Berichts, über den er sich "über die Maßen geärgert" habe. Selbstverständlich durfte der Leser sein Anliegen loswerden, und dies war seine Kritik: "Ich vermisse in dem Bericht nähere Angaben über den oder die Täter", sagte er und schwieg; abwartend, wie ich wohl darauf reagieren würde. Mittlerweile hatte ich die Zeitungsseite auf meinem Bildschirm und konnte sagen: "Wenn es keine Hinweise zu den Tätern gibt, dann können meine Kollegen über keine schreiben. Das verstehen Sie doch, oder?", fragte ich den Anrufer und hörte dies, was mich jetzt dazu bewogen hat, einen Blogeintrag zu schreiben. "Sie hätten schreiben müssen, dass es sich ganz bestimmt nicht um deutsche Täter handeln kann, denn aufrichtige und heimatverbundene Deutsche würden so etwas niemals tun."

Wenn es dieses Gespräch nicht gegeben hätte, wäre das nächste (nur wenige Minuten später) auch eins gewesen, dass das Blog-Initial in mir hätte zünden können. "Ich habe da einen Bericht über die DDR-Opferrente gelesen", sagte die Anruferin und fügte hinzu: "Ich bin eine Betroffene und würde jetzt gern wissen, wohin ich mich da wenden muss, wenn ich sie beantragen möchte, können Sie mir da weiterhelfen?" Eine meiner leichtesten Übungen, dachte ich, weil solch Anfragen bei mir eher an der Tagesordnung als die Ausnahme sind. Während ich die Startseite der Suchmaschine öffnete, murmelt ich dies vor mich hin: "So, das haben wir gleich, Google hilft immer, nur noch schreiben ..." Weiter kam ich nicht, denn die Leserin unterbrach in meinen Bemühungen, ihr zu helfen, mit diesen Worte: "Auf die Idee hätte ich auch selbst kommen können, vielen Dank und einen schönen Tag noch."

Und dann gab es da noch den Leser, der die Welt nicht mehr verstehen wollte und an seinem Verstand zweifelte, weil er nicht glauben konnte, dass er offenbar der einzige unter den mehr als 20 Millionen Rentnern in Deutschland sei, der sich fürchterlich darüber aufregt, dass der Pflegebeitrag um 0,5 Punkte steigen soll, während der Arbeitslosenbeitrag um 0,5 Punkte sinken soll, und meine Kollegen und vor allem der Autor des Leitartikels "Bessere Pflege kostet Geld" völlig ignoriert hätten, dass es hier keinen paritätischen Ausgleich gebe, weil die Rentenbezieher den Anstieg bei der Pflegeversicherung allein tragen müssten und eben nicht über die Arbeitslosenversicherung im gleichen Maße entlastet würden. Ich bin aber so was von sauer und muss jetzt irgendwas tun, sonst platze ich", sagte der Mann in der Leitung und fragte mich: "Haben Sie eine Idee, was ich machen kann?" Dieser Dialog war die Folge:

"Leserbrief schreiben."

"Bringt doch nichts."

"Bundestagsabgeordneten aufsuchen."

"Ich weiß nicht mal, wie der hier bei uns heißt."

"Petitionsausschuss des Bundestages anschreiben."

"Zu viel Aufwand, es muss schneller gehen."

"Auf die Straße gehen und demonstrieren."

"Nee, lieber nicht, ist gerade nicht so angesehen, dies Form des Protestes."

"Auswandern."

"Zu alt."

"Bei der Steuererklärung ein bisschen schummeln und sich das Geld zurückholen."

"Mach ich schon, mehr geht nicht."

"Politiker werden."

"Tolle Idee, aber für welche Partei?"

"Gründen Sie doch einfach die RPD."

"Was heißt?"

"Rentnerpartei Deutschland."

(An dieser Stelle schwieg er ein paar Sekunden. Dann aber:)

"Stellen Sie sich das noch nur mal vor, das riesige Wählerpotenzial. Ich muss in Ruhe darüber nachdenken.

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