Der lange Winter hat sich hoffentlich bei mir mit dem Schneetreiben am Sonntag Vormittag auf der Strecke von Chemnitz nach Leipzig verabschiedet.

Nach reibungslosem Flug bin ich bei Nieselregen gut in Windhoek angekommen. Air Namibia ist durchaus zu empfehlen. Die Crew war sehr aufmerksam, die Bordverpflegung gut und es gab während des gesamten Fluges Gratisgetränke. Der Taxifahrer, vom Chameleon Backpackers organisiert, empfing mich auf dem Flughafen mit meinem Namensschild und brachte mich zügig zum Chameleon-Rucksackhotel. Bereits 9 Uhr konnte ich hier duschen und frühstücken. Inzwischen habe ich einen kleinen Stadtbummel hinter mir. "Verstecke Deine Gürteltasche" ermahnt mich Selma. Ein hochrangiger Polizist lud mich und ein weiteres deutsches Ehepaar zu einer Führung durch den Palast des Premierministers ein. Nach dem obligatorischen Sicherheitscheck besichtigten wir ehrfürchtig die drei Etagen des Palastes. Es war ein erhebendes Gefühl, in dem Parlamentsgebäude zu wandeln.

Welch ein Kontrast zwei Stunden später. Ich buche eine Township-Tour. Nach einigen Stopps vor wichtigen Gebäuden erreichen wir den höchsten Punkt von Windhoek auf 1700m ü NN. Pieter, der Fahrer, zeigt auf unser nächstes Ziel: Katutura, das Wohnviertel der schwarzen Bevölkerung und Pieters zu Hause. Ziemlich gelähmt kann ich noch nicht viel berichten. Ich brauche lange Zeit um die Eindrücke zu verarbeiten. Nur so viel, Pieter führt uns auf seinen Markt, wo neben dem Verkauf von Nahrungsmitteln viele Handwerksbereiche ansässig sind. Ich staune nur einmal, mit welch alten Geräten Kunstwerke entstehen. Die Schulkleidung wird hier genäht oder gestrickt, feinster Plissee ohne Hilfsmittel gebügelt, Schuhe aus Kuduleder und Sandalen aus Springbock werden hergestellt, um nur einiges zu nennen.

Die Toiletten und das Wasser in Katutura befinden sich außerhalb des Hauses, nach 24 Uhr ist oder war das Verlassen der Hütten bei polizeilicher Strafe verboten. Die ärmsten Schwarzafrikaner, etwa 200 000, das sind die Hälfte der Windhoeker, wohnen in Hakahana, "hurry up - hau ab". Stromleitungen führen zwar über den Township drüberweg, es wird aber kein Strom abgegeben. Wasser muss von vereinzelten Wasserstellen geholt werden. Pieter spricht von 51% Arbeitslosen in Namibia, etwa 98 % der Produktion werde eingeführt, überwiegend aus Südafrika. Am 21.3.2010 wird der 20. Jahrestag der Unabhängigkeit gefeiert.

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