Ja, ich will

Es ist nicht so, dass ich dreimal in der Woche entzückt meine Laufschuhe schnüre und Liedchen-pfeifend durch den Wald sause. Mal ist es zu heiß, mal zu nass, mal bin ich zu müde, mal zu hungrig - mein Schweinehund ist ein gemeines, hässliches Tier. Und manchmal besiegt er mich. Dann versuche ich mir meine Niederlage schön zu reden. Schließlich muss man seinem Körper auch mal Ruhe gönnen. Oder Regeneration, das klingt nach was.

Zum Glück schaffe ich es trotzdem oft genug, mich anzutreiben: mit Druck, Ritualen oder Schokolade als Belohnung. Einige Läufer sollen auf Motivationssprüche schwören. Schön wär's ja, wenn mich ein aufs T-Shirt gedrucktes "No pain, no gain" zum Laufjunkie machen würde. Es ist schon merkwürdig, dass wir meinen, es gäbe einen Zauberspruch, der uns von trägen Sportmuffeln in ehrgeizige Kampfmaschinen verwandelt. "Nichts ist unmöglich" auf dem Lauftrikot und schwupps - machen wir freiwillig Intervalltraining und freuen uns bei 30 Grad im Schatten über Schweißtropfen in den Augen.

Führungskräfte wissen längst, dass Leistungsanreize, die von außen kommen, weder stark wirken noch lange. Ob Belohnung, Drohung oder Gewissensbisse - extrinsische Motivation hilft nicht. Dauerhaft zu guten Leistungen führt etwas ganz Einfaches: Spaß an der Sache.

Wer Lust hat auf das, was er macht, rafft sich eher und öfter auf, als jemand, der nur losläuft, wenn er sich dafür einen fetten Eisbecher bestellen darf. Oder jemand, der aus Angst vor der Peitsche des Partners kläglich seine Runden dreht. Ein Läufer, der sich auf nette Leute freut, frische Luft und ein paar handyfreie Stunden, wird immer Zeit für sein Training finden. Wer lieber auf der Couch liegt und Buch liest, hat seinen Lieblingssport noch nicht gefunden. Oder ist einfach nicht so der Bewegungstyp. Dem nützen dann aber auch die sinnigsten Sprüche nichts.

Ich für meinen Teil habe die Lust am Laufen noch nicht verloren. Ich will das. Wenn ich meine Runden drehen kann und wieder ein paar Kilometer mehr geschafft habe, bin ich zufrieden. Egal, ob ich vorher an mein Buch oder meinen knurrenden Magen gedacht habe - hinterher bin ich stolz und glücklich, dass ich mich aufgerappelt habe und in strömendem Regen gerannt bin. Oder bei sengendem Sonnenschein. Dieses Glücksgefühl ist immer noch die beste Motivation.

Diejenigen, die als Motivationskick trotzdem einen knackigen Spruch benötigen, sollten nicht planlos den Erstbesten wählen. Bei den Folgenden klaffen Idee und Wirklichkeit weit auseinander:

Spruch 1: You can do it!

Idee: Du schaffst es, wenn du es wirklich willst.

Realität: Du schaffst es nicht.

Spruch 2: Man quält sich ja sonst nicht!

Idee: Wenn du jetzt läufst, kannst du den Rest des Tages faul sein.

Realität: Du bist lieber gleich faul.

Spruch 3: Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum!

Idee: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Realität: Die böse Welt macht einfach nicht, was ich will.

Spruch 4: Schwitzen ist, wenn Muskeln weinen!

Idee: Stark schwitzen heißt, du bist ein verdammt harter Typ.

Realität: Der Schweiß brennt in den Augen. Du hörst auf.

Spruch 5: Was mich nicht umbringt, macht mich stärker!

Idee: Die Qualen werden sich irgendwann auszahlen.

Realität: Sie zahlen sich nicht aus.

Spruch 6: Man muss das Unmögliche so lange anschauen, bis es eine leichte Angelegenheit wird!

Idee: Du verwirrst deinen Gegner mit Pseudo-Sprüchen.

Realität: Du weißt selbst nicht, was dir das sagen soll.

Spruch 7: Wenn Marathon einfach wäre, würde es Fußball heißen!

Idee: Es läuft besser, wenn du dir einredest, dass dein Sport der bessere ist.

Realität: Aufgebrachte Fußballfans verprügeln dich hinter der nächsten Straßenecke.

 

Noch 106 Tage bis Tag X

Läufe: 1

Wochenkilometer: 21

Gemütslage: Bisschen unmotiviert

Fazit Woche 17: Diese Woche war mein Schweinehund von besonders abscheulicher Gestalt. Morgen wird er niedergeknüppelt - 25 Kilometer-Lauf steht an.

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