Kalter Kaffee

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Neulich ist bei uns etwas passiert: Der Kaffee ist kalt geworden. Wirklich wahr! Löschmeister Wasserhose, der kleine Wachtmeister Meier und die anderen Feuerwehrmänner nahmen es aber gelassen. Wenn Alarm ist, dann muss die Feuerwehr nun einmal ausrücken.

Gerade hatten sie noch so gemütlich am großen Tisch gesessen, den der Mittlere aus Legosteinen gebaut hatte. "Hat jeder einen Becher? Alle hochhalten!" rief er in Vertretung des Löschmeisters. Und dann: "Na, Jungs, hat jeder seine Stulle?" Hatten sie. Aber das nützte nicht viel. Denn schon klingelte das Telefon, weil es brannte. Und zwar bei Oma Eierschecke in der Kaffeestraße.

Ich frage mich ja, ob dieses Kinderbuch, von dem mein Sohn so begeistert ist, von den sächsischen Bäckerei-Innungen gesponsert wurde. Zumal auch ein Stück Quarkkuchen eine tragende Rolle spielt. Allerdings müsste es dann doch heißen "Hat jeder seine Schnitte?" Oder, auf Erzgebirgisch: "Nu nammt ner mol de Bemme aus dor Bix!" "Stullen" gibt es doch in Sachsen nicht, oder? Dabei kam der Autor von "Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt", Hannes Hüttner, aus Sachsen. Das Buch ist aber auch schon mehr als 50 Jahre alt, und damals war Product Placement wohl noch unbekannt. Vor allem östlich der Eierschecken-Grenze.

Wie dem auch sei, die sieben Feuerwehrmänner sitzen bereits in sieben Feuerwehrautos und rasen durch die Wohnung. Leider will auch die Jugendfeuerwehr mitarbeiten und macht dabei alles falsch. Findet jedenfalls der vierjährige Einsatzleiter. Wahrscheinlich ist sein zweijähriger Bruder einfach noch zu jung für die Feuerwehr. Während ich den Kleinen tröste, wird mein Kaffee kalt. Das mag ich überhaupt nicht. Wenn ich gerne kalten Kaffee trinken würde, wäre ich Feuerwehrfrau geworden!

Trotzdem: Kinderspiele sind doch was Schönes. Ein Quell von Freude und Peinlichkeiten. Ich erinnere mich an einen Sommernachmittag im Kindergarten. Beim Abholen saß der Mittlere im Sandkasten und spielte Restaurant. Er bewirtete mich: "Es gibt mehrere Möglichkeiten", zählte er auf, "wir haben Bier, Schnaps und Wein!" Der Vater seines Freundes schaute mich an und grinste: "Wie daheim, oder?" Was soll man da noch sagen? Zum Glück hat besagter Vater seinem Sohn nicht den Umgang mit Familie Hommel verboten.

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