Weil wir schließlich unter uns sind (die Anzahl der mir bekannten Leser meiner Blogeinträge ist gestiegen und liegt jetzt bei elf), darf ich es frei heraus schreiben und im eigentlichen Sinn auch gestehen: Es bereitet mir auch nach fast zehn Jahren immer noch eine (diebische) Freude, mit Lesern über die Funktionsweise sowie die Vor- und Nachteile der freien Marktwirtschaft zu sprechen, von denen ich entweder weiß oder vermute, dass ihr Weltbild als Konsumenten und ihre Bewertung der Prämissen für die Harmonie innerhalb unserer Gesellschaft in den Jahren vor 1989 sind beziehungsweise geprägt worden sind. Das ist mir heute wieder einmal mit aller Deutlichkeit bewusst geworden, nachdem ich ein Gespräch mit einem Leser geführt habe, das für mich ein eher erfreuliches und für ihn ein weniger zufriedenstellendes Ende hatte. Sein Statement zur Eröffnung unserer Unterhaltung am Telefon war dieses: "Alles wird teurer, und ich glaube, dass viele die Coronakrise nur zum Vorwand nehmen, um uns Verbraucher mal wieder so richtig abzocken zu können. Darüber sollten sie mal einen Bericht schreiben, das sollten sie mal aufdecken und dafür sorgen, dass die Verantwortlichen genannt und öffentlich an den Pranger gestellt werden." Natürlich habe ich nach Beispielen für eine vermeintliche "von Raffgier getriebenen Abzocke" gefragt, diese hat er mir genannt, demzufolge diese Produkte unverhältnismäßig teurer geworden sind: Klopapier, haltbare Milch, der Besuch beim Friseur und alle für heimische Handwerker notwendigen Produkte im Baumarkt. Zuerst habe ich versucht, ihm das Prinzip von Angebot und Nachfrage und dessen Auswirkung auf den Preis eines Artikels zu erklären, was er mit diesem (aus verständlichen Gründen unvollständigen) Satz gedankt hat: "Erzählen Sie mir keinen ..." Dann war es mein Bemühen, dem Mann in der Leitung verständlich zu machen, dass die wohl effektivste Möglichkeit, einer solchen Preistreiberei etwas entgegenzusetzen, diese sei, solche überteuerten Produkte nicht mehr zu kaufen, also im Zweifelsfall darauf aus diesem Grund zu verzichten, und die Preise innerhalb der Anbieter zu vergleichen, weil es immer welche gibt, die sich einen gesteigerten Umsatz versprechen, weil sie billiger als die Konkurrenz sind, nur finden muss man sie. Seine Antwort war diese, wieder nur unvollständig: "Und womit soll ich mir den (...) (...), wenn es nirgendwo billigeres Klopapier gibt?" Letztendlich das Ende unserer Unterhaltung habe ich dann selbst eingeleitet, weil ich es nicht lassen konnte, dem Anrufer deutlich machen zu wollen, dass meiner Ansicht nach in diesem ganzen System eines freien Handels an keiner Stelle nach der fehlenden Moral eines Anbieters gefragt werden kann, denn dieser Aspekt sei nun mal ein nicht klar zu definierender, was dazu führt, dass er als Argument nichts taugt. Und damit hat der Leser das Schlusswort für heute: "Ich weiß, Geld stinkt nicht, aber ich werde mich an die (...)-Zeitung wenden, die haben vermutlich mehr Interesse daran, dass es eine (...)erei ist, den kleinen Mann so abzuzocken."

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