Angesichts des liegen gebliebenen Bergs an Post mit Lesermeinungen hatte ich eigentlich vor, nach meiner kurzen Auszeit heute noch darauf zu verzichten, einen Blogeintrag zu verfassen, doch nachdem ich um kurz vor zwölf zum neunten Mal seit Beginn der Krise als Folge der Pandemie versucht habe, einem Leser zu erklären, dass man Homeoffice, obwohl es ein Anglizismus ist, in Artikeln nicht mehr um die in Klammern gesetzte Übersetzung ergänzen muss, weil zum einen nun wirklich mittlerweile jeder wissen dürfte, was darunter zu verstehen ist, und dass das deutsche Wort "Heimarbeit" nun mal etwas anderes bedeutet, als in den eigenen vier Wänden das zu tun, was man sonst im Büro an Arbeit verrichtet, habe ich der Versuchung nicht widerstehen können, diesen Platz hier zu nutzen, um mir selbst ein bisschen Luft zu verschaffen. Einen Leser habe ich leider heute etwas verärgert, was mir in diesem Fall besonders leid tat, weil ich ihm nicht die Frage beantworten konnte, wie ein Autofahrer außerhalb von geschlossenen Ortschaften einen Fahrradfahrer mit dem gebotenen Sicherheitsabstand von zwei Meter überholen soll, wenn die Straße nur vier Meter breit ist. Wirklich helfen konnte ich auch einer Frau nicht, die sich bei mir gemeldet hatte, weil sie im Supermarkt bei der Rückgabe von zwei Getränkekästen beim Pfandautomat die falsche Taste gedrückt und die 6,40 Euro für einen guten gespendet hat, obwohl sie das gar nicht wollte, und nun keine Möglichkeit bekommt, den Fehler rückgängig zu machen und ihr Geld zu erhalten. Dann habe ich mir noch zweimal Asche über mein (kahles) Haupt schütten lassen, weil mein Kollege in der Reportage "Das Fenster zur Hoffnung" den Besuch von Willy Brandt in Erfurt in das zehnte Jahr "nach dem Mauerfall" datierte, wobei ich dieses Phänomen des Automatismus beim Tippen gut kenne, denn ich möchte auch immer im Eifer des Gefechts den Fall ergänzen, wenn ich Mauer schreibe, obwohl mitunter eben eigentlich vielmehr der Bau gemeint ist. In diesem Sinne habe ich es auch als lässliche Sünde angesehen, dass Willi Stoph in dem Artikel ein paar Mal mit einem Ypsilon am Ende seine Vornamens leben musste, was den 1999 gestorbenen DDR-Ministerratsvorsitzenden aber vermutlich nicht gestört haben dürfte, weil dieser Fehler seine Nähe zu dem anderen Willy eben noch unterstrichen haben könnte. Das war es für heute, ich fühle mich jetzt etwas unbeschwerter, vielen Dank fürs Lesen bis hierhin.

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