Kein Zurück

"Wenn du laufen willst, lauf eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennenlernen willst, lauf einen Marathon." Jeder Langstreckenläufer weiß wahrscheinlich, was der tschechische Leichtathlet  Emil Zàtopek gemeint hat. Laufen ist nicht nur ein Mittel, um von A nach B zu kommen. Laufen fördert die körperliche und geistige Fitness, stärkt das Immunsystem, baut Stresshormone ab, wirkt vorbeugend gegen Herzinfarkt und Osteoporose, macht den Kopf frei und innerlich ruhiger, stärker, disziplinierter. Läufer sind schlank und rank, gesund, glücklich, erfolgreich und lebenslustig.

Leider bin ich kein Langstreckenläufer. Nie gewesen. Ich habe auch nie Handball oder anderen Mannschaftssport betrieben. Wenn im Schulsport Ausdauerlauf oder andere Brutalitäten  auf dem Programm standen, war ich meistens krank. Gymnastik, Tanz, Schwebebalken - das war meins. Seitdem hat sich ein bisschen was getan. Ich fahre Rad, gehe schwimmen, mache Yoga und laufe ein bis dreimal die Woche. Wenn es bei zwei Grad schneeregnet, schnüre ich meine Laufschuhe und drehe lässig eine Runde durch den Wald. Aber ein Marathon?!

Gut, das ist jetzt nichts komplett Unmenschliches. In Deutschland gibt es etwa 17 Millionen aktive Läufer, 100.000 davon nehmen einmal im Jahr erfolgreich an einem Marathon teil. Auch ich spiele schon länger mit dem Gedanken, 42,195 Kilometer zu laufen. Ein Marathon ist für mich ein Ziel, von dem ich glaube, es nach entsprechendem Training erreichen zu können. Aber wenn ich daran denke, laufen mir in regelmäßigen Abständen Schauer über den Buckel. Trotzdem: Am 12.10.2014 gehe ich in München an den Start. Mir bleiben also ab heute genau 225 Tage Zeit, mich darauf vorzubereiten, vier bis fünf Stunden am Stück zu laufen. Auf dem Weg zu meinem Ziel habe ich zum Glück einige Unterstützer. Die Vorbereitung für meinen allerersten Marathon soll außerdem nicht im stillen Kämmerlein stattfinden, sondern öffentlich, hier in diesem Blog. Damit habe ich auch gleich einen gewichtigen Grund nicht aufzugeben: Furcht vor öffentlicher Demütigung.

Einmal in der Woche werde ich also von nun an mein sportliches Seelenleben ausbreiten, werde berichten, welche Glücksgefühle ich beim letzten Dauerlauf ausgeschüttet habe und wie hartnäckig sich mein innerer Schweinehund trotzdem in mir festbeißt. Ob mein neues Läufer-Ich tatsächlich fitter, gesünder, glücklicher und klüger sein wird? Es wird sich zeigen. Aber: "Im Grunde ist ein Diamant auch nur ein Stück Kohle, das die nötige Ausdauer hatte."

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