"Wissen Sie, was ein Waldschrat ist?", fragte mich eine Leserin und bekam von mir diese Antwort: "Das ist so ein komischer Kauz, von dem man nicht weiß, ob er Mensch oder vielleicht doch eher ein Geist, was ihn aber nicht davon abhält, im Wald sein Unwesen zu treiben und Leute zu erschrecken." Die Frau in der Leitung war offenbar zufrieden mit dem, was ich ihr als Definition vorgetragen hatte, denn sie ging nicht näher darauf ein und stellte mir eine zweite Frage: "Wissen Sie auch, was ein Landrat ist?" Zwar wurde ich langsam ein wenig skeptisch, weil ich keine Ahnung hatte, worauf die Anruferin hinaus wollte, aber ich war mir sicher, wenn ich so sachlich wie möglich antworte, kann eigentlich nichts passieren: "Das ist ein von den Bürgern gewählter Verwaltungschef eines Landkreises." Auch das kommentierte die Leserin nicht, sondern bat mich, den Artikel mit der Überschrift "Neue Windkraft-Ideen für das Ost-Erzgebirge" auf den Bildschirm zu holen und ihr den Vorspann vorzulesen. Das habe ich getan, doch zitiert habe ich den Satz nicht, weil mir sofort klar war, warum die Frau mich angerufen hatte. Hier aber muss ich ihn zitieren, wie er in der Zeitung zu lesen war: "Nahe Voigtsdorf könnte ein 149 Meter hohes Windrat zwei kleinere Anlagen ersetzen." Nach diesem mit dem Versuch, mich zu erheitern, vorgetragen Hinweis auf einen Schreibfehler war ich mir um kurz nach zehn sicher, dass ich reif bin für das Wochenende, doch bis zwölf musste ich noch durchhalten und unter anderem diese Hinweise von Lesern in meinen Protokollnotizen festhalten:

"Was sind denn das für Hohlköpfe, die sich darüber aufregen, dass ...", meinte ein Leser und durfte mir anschließend zwei Minuten lang seine Meinung zum Thema "Religionsunterricht an sächsischen Schulen erläutern.

"Ich würde gern mal die Blutegel-Therapie ausprobieren, können Sie mir da weiterhelfen?", fragte eine Anruferin und erklärte mir, weil ich mir sicher war, dass sie mich nicht als Fachmann für alternative Heilmethoden angerufen hatte, dass da kürzlich mal einen Artikel in der Zeitung gelesen habe und dass sie  nun von dem Autoren des Artikels mehr über dieses Verfahren wissen möchte. "Da werden Sie wohl mit den für die Seiten Rat & Leben zuständigen Kollegen reden müssen", erwiderte ich, fügte aber hinzu, weil ich mir nicht ganz sicher war: "Sicherheitshalber schaue ich mal im Archiv nach." Umso erstaunter war ich dann aus zwei Gründen: Der Artikel mit der Überschrift "Sanfte Variante der Schmerzbehandlung" in den Lokalausgaben der "Freien Presse", und es ging um eine Physiotherapeutin, die jetzt diese alte Heilmethode im Angebot hat. Der zweite Grund: Ich habe mich eigentlich zum ersten über die Vorstellung hinaus, mir einen Blutegel auf die Haut setzen zu lassen, ernsthaft mit diesem Thema beschäftigt. Weshalb ich jetzt hier den Link zu dem Artikel anbiete.

"Ich verlange Schadenersatz, sonst werde ich Sie verklagen", meinte ein Mann, der seinen eigenen Angaben zufolge mit einem "kurzen schnellen Reißen" die auf die Titelseite geklebte Werbepostkarte vom Zeitungspapier entfernt und nun wegen des entstandenen Lochs zwei Zeile des Aufmachers nicht mehr lesen konnte.

"Das ist ein Skandal, aber niemand scheint sich verantwortlich zu fühlen, und deshalb rufe ich jetzt Sie an, denn die Zeitung kann da bestimmt mehr erreichen, als ich Ottonormalverbraucher", leitete ein Anrufer sein Thema an, das sich wie folgt zusammenfassen lässt: Die Telefonzelle in seiner Straße ist schon lange außer Betrieb und völlig verwahrlost und ein Schandfleck für alle, die daran vorbeigehen.

Bei diesem Hinweis, der mich per Mail erreichte, kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus und habe minutenlang darüber nachgedacht, was das für mich selbst und meine Einstellung zu diesem Thema bedeutet: "Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche täglich 123 Liter Wasser im eigenen Haushalt. Das klingt soweit ganz gut. Dabei sollte man sich von den Zahlen nicht täuschen lassen, weil dieser Verbrauch nur ein geringer Bruchteil dessen ist, was tatsächlich pro Person und Tag in Deutschland verbraucht wird. Rechnet man den virtuellen Wasserverbrauch hinzu, also das Wasser, welches bei der Herstellung von Konsumgütern und Lebensmitteln benötigt wird, liegen die Deutschen durchschnittlich bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von 4000 Litern täglich. Der virtuelle Wasserverbrauch jedes Einzelnen fällt natürlich unterschiedlich aus. Denn es kommt immer darauf an, welche Waren konsumiert werden. Wer zum Beispiel viel und täglich Fleisch isst, hat einen weitaus höheren Wasserverbrauch, als derjenige, der kein Fleisch isst. Denn: Für die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch werden rund 15000 Liter benötigt." 

Weitere Blog-Einträge