Manchmal kann ich nicht anders, manchmal will ich auch nicht anders, und dann gibt es Blogeinträge wie diesen, bei dem ich mich, was ich gern auch zugebe, ein bisschen auch aus der Verantwortung stehle, weil es mir nicht leicht fallen will, meine Kollegen in der Redaktion für ihre Entscheidungen, ein Thema so und nicht anders aufzugreifen und in die Zeitung zu bringen, zu kritisieren. Was bedeutet: Ich lasse die Leser jetzt zu Wort kommen und gehe davon aus, dass ihre Meinung für sich spricht und es keines weiteren zustimmenden Kommentars von mir bedarf. Es geht um den Komplex "Das Thema: Kampfpanzer" mit den beiden Berichten unter den Überschriften "Leopard 2 – Begehrter Stahl" und "Wie der neue Minenschutz funktioniert" in der Ausgabe von Montag auf der Seite "Wissen". Fünf Leser haben sich deswegen bei mir gemeldet. Wer die Meinungen besser verstehen beziehungsweise sie hinterfragen und sich kritisch mit ihnen auseinandersetzen möchte, sollte vielleicht die Gelegenheit nutzen, wenn er das noch nicht getan hat, die Berichte zu lesen und sich die Bilder anzuschauen. Hier ist der Link dazu. Diese Auszüge aus den Reaktion möchte ich zitieren:

"Welch eine Fehlleistung, wenn deutsche Waffen (auch noch im Vergleich mit solchen anderer Länder) öffentlich, und dann noch unter der Rubrik "Wissen" zelebriert werden, noch dazu in dieser Zeit, in der bereits deutsche Waffen an der Tötung vor allem unschuldiger Menschen beteiligt sind. Der "unschuldige" Hinweis auf die Mitautorenschaft eines Bundeswehroffiziers ändert nichts an der letzten Verantwortung für diesen Artikel.  Ich wünsche mir sehr, dass sich so etwas nicht wiederholt."

"Ich fasse es nicht. Erdogan führt seinen völkerrechtswidrigen Krieg mit deutschen Panzern, und ich muss lesen, wie toll dieses Kriegsgerät doch ist und wie stolz Deutschland doch sein kann, über eine solche hoch entwickelte Rüstungsindustrie zu verfügen."

"Ganz ehrlich, was soll denn der Bericht zur Kriegswaffenlehre? Wozu muss man wissen, wieviel Stahl warum und wohin in einem Leopard 2 Panzer verbaut wird? Wie tief ist diese Menschheit eigentlich gesunken? Wo ist die Anti-Kriegs-Bewegung? Hat sie gemerkt, dass es sinnlos ist, sich gegen die Belange der Obrigkeit zu stellen, die nur nach Geld und Macht strebt? Was ist aus Moral, Gewissen, Ethik geworden? Meines Erachtens sind dies nur noch Fremdwörter mit denen man unsere westliche Welt nicht mehr in Verbindung bringen kann. Und vielleicht ist es ja ganz nett, wenn Bundespräsident Steinmeier Jordanien besucht und dort verkündet, dass es Hilfsprojekte für Schulen gibt, in welchen jordanische und syrische Kinder zusammen lernen. Heuchelei ist nicht im Ansatz die richtige Beschreibung für so etwas. Wie viel Milliarden haben wir denn im Gegenzug an dem Krieg in Syrien verdient und verdienen dies tagtäglich in anderen Kriegsgebieten? Am Großteil der Flüchtlingsströme sind wir doch nicht nur beteiligt sondern auch schuld. Ich schreibe bewusst von Schuld."

"Ich zitiere mal aus dem Hinweis am Ende des Artikels: Weiterhin dürfen Kriegswaffen nicht exportiert werden, wenn etwa das Empfängerland schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen begeht, gegen das Völkerrecht verstößt oder im bewaffneten Konflikt steht. Und was macht der türkische Präsident gerade in Syrien? Nun hätte ich gern von Ihnen eine Erklärung dafür, warum Sie mit diesen Berichten diese Mordmaschinen auch noch verherrlichen."

"Sie sollten sich schämen."

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