Da ich nach meiner Kolumne "Das war mein 2019" mehrfach von Kollegen und Lesern nach weiteren Details zu meinem Konsum von Trostschokolade während meiner Sprechzeit zwischen zehn und zwölf angesprochen worden bin, habe ich entschieden, von nun an hier in unregelmäßigen Abständen meinen Randnotizen zum Wochenende meine Verzehrbilanz seit Montag voranzustellen, hier ist die erste: 50 Gramm "Crème de salidou caramel au beurre salé au sel'de Guerande" mit einem Kakaogehalt von 70 Prozent und 30 Gramm "Grand Noir Sao Tomé" mit einem Kakaogehalt von 95 Prozent.

Episode 1: "Ich habe da gerade was im Radio gehört", meinte der Mann in der Leitung und schwieg. "Sind Sie noch da?", fragte er mich als nächstes, weil ich nichts erwidert hatte, also sagte ich einen meiner mir täglich bis drei bis vier Mal von den Lippen kommenden Standardsatz: "Wenn Sie mir sagen, worum es geht, kann ich entscheiden, ob und wie ich Ihnen helfen kann." Dann hat es etwa zwei Minuten gedauert, bis ich wusste, dass es in dem Radiobericht um den Abbau von Lithium in Südamerika gegangen und der Tatsache gegangen war, dass dies mit enormen Umweltschäden verbunden sei. Und dann habe ich tatsächlich 30 Sekunden, was einem wirklich lang vorkommen kann, gewartet, weil der Mann in der Leitung stumm blieb und ich nur ganz leise dudelnde Radiomusik im Hintergrund hörte, bevor ich mich dann doch entschloss, das Schweigen zu beenden und zu fragen: "Als, was kann ich in dieser Sache für Sie tun?". Dann passierte dies: Ganz eindeutig vernahm ich das unverkennbare Geräusch, das entsteht, wenn ein Flaschenöffner den Kronkorken von einer unter Druck stehenden Glasflasche entfernt, und der Leser sagte: "Mann, ist doch klar, auch mal darüber berichten, ist doch eine große Sauerei, was da passiert."

Episode 2: Auch dieser Anrufer war davon ausgegangen, dass wohl noch niemand auf die Idee gekommen sei, diese Lösung eines Problems in Betracht zu ziehen, weshalb es sich veranlasst gesehen hatten, mein Nummer zu wählen, denn seiner Ansicht nach gibt es eine viel bessere Alternative zu einem generellen Tempolimit auf Autobahnen: "Ist doch ganz einfach: Ein grundsätzlich geltendes Überholverbot für Lastwagen." Weil ich seinen Standpunkt besser einschätzen können wollte, fragte ich ihn, weil mir das sinnvoll erschien für eine Einordnung dieser Haltung, was für ein Auto er selbst fahre, und er hat mir die Marke und den genauen Typ genannt, was ich aber beides hier nicht nennen möchte, denn ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, nachdem eine ganze Reihe an SUV-Fahrern wegen einer Bemerkung in einem Kommentar über mich hergefallen war, aber ich habe dann mithilfe der Suchmaschine dies herausgefunden: Seine Limousine dürfte so etwa übe 270 PS verfügen, und überholenden Lkw passen nicht wirklich gut in ein solches Weltbild.

Episode 3: Wieder einmal sprachlos hat mich dies Meinung einer Leserin gemacht, ich möchte sie deshalb auch kommentarlos für sich selbst sprechen lassen: "Wenn ein Polizist einen Angreifer etwas derb anfasst, landet er womöglich noch vor Gericht, leben wir nicht immer noch in einer Demokratie? Wie ist so etwas möglich? Solche Straftäter gehören ins Gefängnis. Arbeiten im Steinbruch wäre auch noch eine Möglichkeit."

Episode 4: Was mich immer wieder verwundert ist die Tatsache, dass ein solch wichtiges, weil für uns alles bedeutsames Thema wie der Frage nach der Regelung der Organspenden in Deutschland bei den Leuten wieder auf kein Interesse gestoßen sich, sich kritisch mit der Entscheidung des Bundestags und den Berichten darüber auseinanderzusetzen und einen Leserbrief zu schreiben. Zum Vergleich: Zu den neuesten Entwicklungen im britischen Königshaus haben mich innerhalb kürzester Zeit fünf Meinungen erreicht. Im Gegensatz dazu durfte dann so etwas zur Kenntnis nehmen: "Deshalb mein Lösungsvorschlag: Für jeden Bürger, der sich zu Lebzeiten zu einer Organspende verpflichtet hat, soll es nach seinem Tod wieder ein Sterbegeld der Krankenkassen geben beispielsweise in Höhe von 2000 Euro geben, und wetten, dass es dann genügend Organspender in Deutschland geben wird?"

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