Zu den neun Lesern, die mich heute zwischen zehn und zwölf wegen des Artikels "Geister des Gestern" angerufen haben, gehörte auch ein Mann, der mich als erstes dies fragte: "Weil es darin auch um das christliche Weltbild geht, würde ich Ihnen gern mal erzählen, was ich für ein viel schlimmeres Übel halte und deshalb als Ursache für die schlechte Stimmung in unserer Gesellschaft bezeichne, als die Frage nach einer Vereinbarkeit christlicher Werte mit einer linken beziehungsweise kommunistischen Weltanschauung, haben Sie ein paar Minuten Zeit?" Angesichts meiner eigenen Regel, einer fruchtbaren, also konstruktiven Diskussion mit dem Ziel, fundierte Argumente auszutauschen und einen Konsens auszuloten und zumindest ergebnisoffen in Betracht zu ziehen, niemals aus dem Weg zu gehen, habe ich geantwortet: "Na klar, ich bin ganz Ohr." Dann aber passierte dies: "Zwei Personen mache ich persönlich dafür verantwortlich, dass Deutschland gerade in keiner guten Verfassung ist und ein tiefer Riss unser Land teilt", sagte der Anrufer und fügte hinzu, dass er beide gern zitieren würde. Seine folgende Worte haben mich dann tatsächlich fassungs- und sprachlos gemacht, so dass ich ihn dann noch acht Minuten lang reden ließ, mich dann freundlich, aber bestimmt mit dem Zusatz "tut mir leid" von ihm verabschiedet habe, er meinte nämlich: "Bundespräsident Christian Wulff hat einmal gesagt: Der Islam gehört zu Deutschland." An dieser Stelle machte er eine kurze Pause, bevor er sagte: "Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einmal gesagt: Wir schaffen das." Wieder eine Pause, dann dies: "Und deswegen fühle auch ich mich nicht mehr wohl in Deutschland und habe Angst, weil ..." 

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