Mein jüngster Sohn ist ein Kriecher. Wenn er etwas Spannendes sieht (Kuchenkrümel, Stromkabel, Mülleimer), kriecht er dorthin wie der Blitz, bewegt Arme und Beine schwungvoll und versetzt. Richtig zackig. „Der wird bestimmt mal ein guter Soldat“, sagte neulich ein Mann zu mir. Ich will mich ja nicht in die Karriereplanung meiner Kinder einmischen. Aber von einer militärischen Laufbahn hatte ich nicht gerade geträumt.

Jedenfalls kriecht das Baby, drückt sich auf alle Viere hoch und überlegt, wie das mit dem Krabbeln funktionieren könnte. Dann setzt es sich nach hinten auf einem Bein ab und wackelt mit dem Po. Projekt: Sitzen.

Irgendwann wird es klappen. Und ich werde alles fallenlassen, in Jubelrufe ausbrechen und der ganzen Welt davon erzählen. Ich bin ja davon überzeugt, dass während der Geburt eines Kindes ein bleibender Schaden im Denkorgan der Eltern entsteht. Anders ist die Begeisterung für solch sportliche Mini-Erfolge nicht zu erklären. Ein Kind im Krabbelalter zu beobachten, ist wie Kino – soweit ich das beurteilen kann. Als ich das letzte Mal im Kino war, liefen noch Stummfilme. Jedenfalls scheint überall derselbe Film zu laufen: strampeln, um-die-eigene-Achse-drehen, kullern, robben, sitzen, krabbeln, sich hochziehen, stehen, laufen. Damit hat der Mensch dann den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht.

Natürlich kann man seine Kinder dabei fördern. Da gibt es zum Beispiel Pekip – das Prager Eltern-Kind-Programm, das auf die Ideen eines Prager Psychologen zurückgeht. Er hat zum Beispiel festgestellt, dass Kinder sich besser bewegen können, wenn sie nackt sind. Das weiß mein Sohn schon lange: Jedes Umziehen ist ein Ringkampf.

Jedenfalls ist Pekip so eine FKK-Krabbelgruppe mit Anleitung und Bewegungsanreizen, bei der die Babys um die Wette pullern. Pekip habe ich mit meiner Großen gemacht. Jetzt aber habe ich mein eigenes Sportprogramm entwickelt. Es heißt „Achtung, freilaufendes Baby“ und funktioniert so: Ich lege den Kleinen auf den Boden und lasse ihn einfach machen. Bewegungsanreize setzen der geöffnete Geschirrspüler, der offene Kühlschrank oder ganz wenige Gegenstände, die die anderen beiden in seltenen Ausnahmefällen herumliegen lassen.

Bis zum Laufen ist es ein langer Weg. Das finden vor allem Erwachsene cool, weil sie nicht dauernd neue Hosen kaufen wollen. Ach was, der Kleine soll seine zerkrabbelten Jeans einfach selbst flicken. Als Soldat muss man so was können.

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