Ich bleibe einen Tag in Windhoek und fliege erst am nächsten Abend nach Frankfurt weiter. Bis 10 Uhr muss ich mein Zimmer geräumt haben. Mein Gepäck kann ich im Chamäleon Hotel unterstellen. Mit einem Taxi lasse ich mich zum Township Katutura ins Kunstzentrum Penduka fahren. Eine Holländerin hat dieses Kunstzentrum für Frauen gegründet. Die Frauen sollen lernen, unabhängig auf eigenen Beinen stehen zu können. Penduka sichert den Menschen einen Arbeitsplatz und ein Einkommen. In Handarbeit stellen sie schöne Produkte her. www.penduka.com
Neben dem Verkaufsraum sind drei Angestellte an Computern beschäftigt. Ich bitte die Chefin, mir die unterschiedlichen Arbeitsplätze ansehen zu dürfen. Am ersten Platz wird in Handarbeit Glas von Bierflaschen zerstoßen. Der Glasstaub und die feinen Glasstücken werden verschiedenartig weiterverarbeitet. Als nächstes bemalen an großen Tischen zwei Frauen gebatikte Tischdecken weiter. 
In einem Nähsaal, arbeiten etwa zehn Mitarbeiter an Nähmaschinen.

In der Keramikstube werden verschiedenste Gebrauchsartikel und Souvenirs geformt. An einem schattigen Platz im Freien befindet sich ein offener Brennofen. Drei Gehörlose brennen das zerstoßene Glas in vorgefertigten Keramikbehältern.

Im Verkaufsraum sehe ich mir später die einzelnen Kunstwerke der Frauen an, die auch zum Teil in Heimarbeit gefertigt werden. Die Chefin der Kunstwerkstatt fragt mich, ob ich einen bedruckten Stoffballen (1,60m breit) nach Deutschland mitnehmen könne und später nach den Niederlanden bringen könne. "Wie stellt sie sich das vor? Und ... ich habe nicht erzählt, dass ich aus Deutschland komme," geht mir durch den Kopf.. Später bringt mir die Chefin verschiedene Muster an Handarbeiten. "Kannst Du das zu unserer Holländerin senden?" Es wiegt vielleicht 500 Gramm. Ich sage zu und nehme 100 N$ Porto beschämt entgegen. Ich kann doch nicht all mein Geld verschenken. Im Gegenzug kaufe ich im Penduka Laden für etwa 800 N$ ein. Als ich dann einen verschlossenen A4-Umschlag für den Weiterversand nach den Niederlanden erhalte, denke ich nach, wie schnell man zu einem Drogenhändler werden könnte. Ich vertraute den Frauen. Am Zoll würde diese Erklärung mir im Schadensfall nichts nützen. 

Meinen Taxifahrer lade ich auf einen erfrischenden Drink in dem von den Frauen geführten Restaurant ein. Anschließend lasse ich mich von ihm in der Innenstadt zum Einkaufsbummel absetzen. "Pass auf Deine Sachen auf und trage alles vor dem Körper, möglichst unter einem Kleidungsstück", werde ich zum Abschied wiederholt gewarnt. Die Kreditkarte steckt zwischen meinen Tempotaschentüchern und die Nikon-Kamera hängt für alle gut sichtbar unter meiner offenen Bluse, die ich nur wegen der Kamera übergeworfen habe.
Bisher bin ich in Windhoek noch nicht zum Opfer geworden.

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