Dass ich alles, was Leser mir schreiben oder sagen, auch tatsächlich von Anfang bis Ende lese beziehungsweise es mir anhöre, versteht sich zwar von selbst, ist aber als eine Tatsache an sich immer wieder eine großer Herausforderung für mich, weil häufig das, was die Leute mir mit einger geradezu beeindruckenden Selbstverständlichkeit mitteilen, in mir etwas auslöst, was mit meiner Tätigkeit und den Aufgaben als Leserobmann unmittelbar gar nichts zu tun hat, aber mich persönlich bewegt, weil ich die Gefühle, die es auslöst, nun mal nicht einfach abstellen kann. Drei Beispiele von heute, die zwar aus dem Zusammenhang gerissen sind, aber trotzdem, weil es um diese eine Aussage geht, für mich von Bedeutung sind, denn sie haben eine Saite in mir zum Schwingen gebracht:

Zur Regierungskrise in Thüringen meinte ein Leser: "Ich habe 80 Jahre deutsche Geschichte miterleben dürfen bzw. müssen. Ich finde es deshalb als primitiv und niveaulos, wenn jemand die alte Platte vom Schießbefehl und nicht aufgearbeiteter Vergangheit spielen will. Es ist eine infame Beleidigung für alle ehrlichen, aufrechten und sozial denkenden ehemaligen SED-Mitgliedern, sie mit Mielke und Konsorten gleichzusetzen."

Zum Artikel "Marx geht – mitten im Reformprozess" über den angekündigten Rücktritt des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz: "Wenn der Zölibat gelebt wird, ist er auch ein lebendiges Zeichen der Nähe des Reiches Gottes. So ist der Zölibat im Grunde sehr fortschrittlich, denn dadurch ist das Reich Gottes näher. Natürlich können auch andere den Glauben lebende Frauen und Männer die Liebe Gottes empfangen. Der Zölibat hat nie in die Zeit gepaßt, aber immer zur Ewigkeit. Machen wir durch falsche Reformen die Welt nicht ärmer."

Zu mehreren Artikeln über Rüstungsexporte, geplante Großmanöver und Spannungen zwischen den Großmächten: "Verfolgt man die Entwicklung auf der Welt insgesamt, so muß man zu dem Schluß kommen, daß für die Verantwortungsträger in dem System, in dem wir heute leben, der Frieden das größte Verbrechen scheint."

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