Natürlich gehört eine Mutter zu ihren Kindern. Sie kocht auf Bestellung siebenmal pro Woche Nudeln, bastelt „Mein Freund, der Baum“-Plakate für die Schule und lässt sich mit blubbernder Chartmusik foltern. Aber man muss ab und zu raus, man muss sich abnabeln können von seinem Haushalt, man muss über seiner Schmutzwäsche stehen.

Anke organisierte ein Mädelswochenende. Sie wohnt in Dresden, lud sich das Haus voll und stellte ein Programm zusammen. Restaurant, Oper, Restabend im lockeren Ambiente. Ihren Mann und ihren Sohn schickte sie ins Hotel. Damit Mann und Kind den Kurzurlaub definitiv antreten, buchte sie vorsichtshalber selbst, und zwar ein so teures Zimmer, dass er das Ganze auch mit 40 Fieber absolvieren würde.

Ich stelle meine kleine Reisetasche in den Flur und setze mich aufs Sofa. Bei Facebook suchen wir Bilder von Ex-Freunden. Keiner wusste mehr, wer Olli war. Grit hatte ihn vor 20 Jahren verlassen, nachdem er ihr zum Valentinstag ein Marzipan-Herz mit verspielter „I love you“-Aufschrift geschenkt hatte. Leider ist Olli nicht bei Facebook und nirgendwo sonst im Netz zu finden.

Ich suche nach Fotos von Marcel, als das Handy in meiner Hand nervös wird. Kind 1 ist in der Leitung. Es sucht das Tablet, das ich aktuell im Bett unter der Matratze versteckt habe. Der Junge schwört, dass er nicht spielen will auf dem Ding. Er suche dringend nach geeigneten Hühnerrassen für empfindliche Wohngebiete. Kind 1 hat Hühner gern. Sehr gern. Susanne sagt, sie kennt Hühner, die wie Donald Trump aussehen und nett sind. Sie gehören dem Sohn ihrer Nachbarin, ebenfalls überzeugter Hühnerliebhaber. Seine Rasse trägt auf dem Kopf eine blonde Mähne, die in jeder Lebenslage frisch gefönt aussieht. Die Eier sind gut, sagt Susanne und zeigt Fotos.

Als wir gegen 18 Uhr im Restaurant sitzen, schickt mir mein Mann eine Nachricht: „Wo hast du die Nuggets her? Aus Formfleisch, igitt!“ Ich antworte, dass er sie wegschmeißen oder über den Gartenzaun werfen soll. Er: „Sehr witzig. Sehr witzig!“

Ich habe mir vorgenommen, nie mehr als ein Glas Wein zu trinken. Habe ich auch nicht. Wir geraten dann in eine Cocktailbar mit frisch entkorkter Happy Hour. Birgit wünscht sich Nüsse. Es gibt keine Nüsse und keine Chips und keine Kekse. Die kaufen wir später einem Jungen in der Straßenbahn ab.

Und so weiter, und so fort. Zu Hause schäle ich als erstes Kartoffeln. Mein Mann hat schlechte Laune. Er behauptet immer noch, ich komme 24 Stunden zu spät.

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