Ganz bewusst nenne ich  dieses Phänomen einen Generationenkonflikt, der mich Zeit meines Daseins (als Leserobmann, darüber hinaus mit Sicherheit nicht) begleiten wird und für den es keine Lösung gibt; und das ist mein Dilemma, mit dem ich tagtäglich zu tun habe und das mich einiges an Kraft abverlangt, meine innere Ruhe und heitere Gelassenheit nicht aufs Spiel zu setzen. Jammern will ich nicht, nur berichten von Gesprächen wie diesem:

"Ich wollte am Wochenende zu einer Veranstaltung im Schlosspark Lichtenwalde und habe jetzt feststellen müssen, dass ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zwar hinfahren kann, aber nach dem Ende des Festes nicht wieder nach Hause fahren kann", sagte die Frau in der Leitung und formulierte ihre Forderung an mich mit diesen Worten: "Das ist doch eine riesengroße Sauerei, darüber sollten Sie mal einen Artikel in die Zeitung setzen." Da war sie wieder, diese Situation, in der ich zwei Möglichkeiten habe, aber immer die falsche wähle, was ich zwar hinterher bereue, aber mich trotzdem dadurch davon abhalten lasse, mich anders zu entscheiden. Soll heißen, dass ich einfach nur hätte dies sagen können, um die Unterhaltung zu einem versöhnlichen Ende zu führen: "Vielen Dank für Ihren Anruf, ich werde meinen Kollegen in der Redaktion darüber berichten, und vielleicht gibt es mal die Möglichkeit, dort eine Recherche zu starten und eine Bericht zu schreiben." Nein, ich habe mich entschlossen, mit der Anruferin darüber zu sprechen, wie man ihr Problem vielleicht auch anders lösen könnte, als die ÖPNV-Anbieter zu bedrängen, seinen Fahrplan zu ändern oder Sonderbusse einzusetzen. Mein erste Frage nahm sie noch gelassen hin: "Haben Sie wirklich niemanden, der Sie hinbringen und wieder abholen kann?" Bei meinem zweiten Vorschlag aber spürte ich schon deutlich, dass da so etwas wie Ärger in der Frau aufkam: "Vielleicht fragen Sie mal in Ihrem Freundeskreis nach, ob da jemand, der ein Auto besitzt, vielleicht Interesse hat, sich Ihnen anzuschließen." Nein, klärte sie mich auf, so eine Person gäbe es in ihrem Bekannten- und Freundeskreis nicht. Die dritte von mir angesprochene Alternative brachte das Fass dann doch zum Überlaufen (Mal wieder dieser Einstieg: "Junger Mann, also wirklich, das geht jetzt aber wirklich ..."): "Na dann wäre es doch eine gute Idee, wenn sie trotzdem sich mit mehreren Leuten zusammen tun, mit dem Bus hinfahren und für die Rückfahrt sich die Kosten für ein Taxi teilen." Das Ende der Unterhaltung darf die Frau jetzt selbst auf den Punkt bringen: "So kann man mit uns Alten doch nicht umgehen, das ist ein Skandal."

Bei dem zweiten heutigen Thema möchte ich zunächst aus dem Artikel "Angst vorm Plötzlichen Kindstod" zitieren, in dem es unter anderem darum ging, dass die falsche Lage unter anderem dem Baby das Leben kosten kann. Ganz zum Schluss heißt es: Grundsätzlich raten Mediziner, Kinder im ersten Lebensjahr in einem Schlafsack schlafen zu lassen – im eigenen Bett, ohne Kissen oder Plüschtiere ringsum. Und vor allem: in Rückenlage." Dazu hat mir eine (ihrer eigenen Formulierung zufolge) schon "ziemlich alte Dame" dies mitgeteilt: "Es ist auch nicht gut, die Babys nur auf dem Rücken schlafen zu lassen, weil diese dann später einen glatten Hinterkopfe haben wie eine Scheibe, was nicht schön aussieht." Ihr sei (vor wirklich langer Zeit) beigebracht worden, die Säuglinge immer abwechselnd für einige Zeit einmal auf der linken, einmal auf der rechten Seite schlafen zu lassen, damit das Köpfchen schön rund bleibt. Nachdem ich ihr für den Anruf und das Gespräch gedankt hatte, hat sie sich freundlich von mir verabschiedet, weil sie genau das erreicht hatte, was ihr Plan war: Mal mit jemanden über dieses Thema zu reden. Nun muss ich mir nur noch überlegen, wo ich heute Abend, nach dem Zähneputzen  im Badezimmer, einen zweiten Spiegel herbekomme.

Weitere Blog-Einträge