Es gibt Themen und Problemstellungen, bei denen ich schon vor Jahren aufgehört habe, mit den Lesern darüber zu diskutieren, wenn sie mich angerufen haben, weil mal wieder ein Artikel dazu in Zeitung gestanden hat. Das bedeutet, dass ich ihnen das auf jeden Fall sage und mein Schweigen nicht verschweige, wenn es sinnvoll oder notwendig ist, weil manchmal wollen die Leute auch nur einfach ein paar Minuten lang darüber reden und dann ohne einen Kommentar von mir dazu auflegen, oder wenn die Anrufer mich nach den Gründen für mein Schweigen fragen. Auch hier habe ich davon schon häufiger berichtet. Dazu zählt auch die Sichtweise der Menschen, die mindestens 40 Jahre oder älter sind, auf die DDR und deren Urteil darüber, was bis 1989 in diesem Staat passiert und wie man heute damit umgehen soll beziehungsweise muss. 

Bei den drei Gesprächen mit zwei Männern und einer Frau, die mich wegen des Artikels "Die Wochenkrippenkinder" gestern auf der Seite "Zeitgeschehen" angerufen hatten, wäre es auch bei meinem Schweigen geblieben, hätte die eine Unterhaltung mit einem Leser und die andere mit der Frau in der Leitung nicht an einer Stelle ein Wendung genommen, die mich in beiden Fällen geradezu dazu gezwungen hat, meine Meinung dazu in aller Deutlichkeit und mit dem mir zur Verfügung stehenden Nachdruck zu sagen.

Zunächst kann ich die Gründe dafür, dass die drei Leser mich überhaupt angerufen haben, um ihren angestauten Ärger wegen der Reportage loszuwerden, mit einem Zitat zusammenfassen: "Nach 30 Jahren ist es endlich an der Zeit, die DDR nicht mehr bei jeder sich bietenden Gelegenheit schlecht zu machen und die Menschen, die damals gelebt haben, zu diffamieren. Das muss endlich aufhören, die DDR war nicht nur schlecht, es gab auch viele gute Sachen", meinte der ein Anrufer. Um den Inhalt des Artikels ging es den drei Lesern also gar nicht, sondern nur darum, dass damit die DDR mal wieder in einem äußerst schlechten Licht gezeigt wurde. Und wie gesagt, ich hätte nur zugehört und sie einfach nur reden lassen. Wenn nicht dies passiert wäre:

"Da dürfen Sie sich nicht wundern, dass so viele Menschen jetzt die AfD wählen, denn gerade mit solchen Berichten sind Sie und Ihre Zeitung und alle Medien dafür verantwortlich, dass die Leute auf Deutsch gesagt die Schnauze voll haben und dies jetzt mal auf ihre Weise zum Ausdruck bringen wollten", meinte die Frau, während der eine Mann sagte: "Genau deshalb habe ich die AfD gewählt, weil es mich maßlos aufregt, wenn alle und vor allem die herrschenden Politik dauernd auf der DDR rumhacken." In beiden Fällen habe ich dann doch diskutieren wollen, was aber nicht möglich war, weil beide Leser nicht bereit waren, mit darüber zu sprechen, was eine Demokratie auszeichnet und welche Werte wichtig sind, damit sie nicht in Gefahr gerät, von innen ausgehöhlt zu werden, sodass ich dann irgendwann die Notbremse gezogen, mich höflich für die Unterhaltung bedankt und aufgelegt habe. Sorry, wenn das jetzt den Eindruck erweckt, ich würde mich vor meiner Verantwortung drücken wollen, doch das ist nicht der Fall, nur gibt es eine persönliche Grenze bei mir, und wenn sie überschritten wird, möchte ich mich lieber selbst schützen als so zu tun, es könnte von mir einfach so abprallen und ich könnte zur Tagesordnung übergehen; kann ich eben manchmal nicht.

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