Wenn ich Bundeskanzlerin werden müsste, ich würde Smileys auf meine Wahlwerbung malen. Am besten mehrere nebeneinander, gleich vor und hinter den Namen. Küsschen-Smileys liegen im Moment bei der werberelevanten Zielgruppe im Trend. Kind 1 würde sehr wahrscheinlich denjenigen cool finden, der diese Kack-Häufchen mit Gesichtern auf seine Plakate druckt. Aber der Junge darf ja noch nicht wählen. Das verwächst sich.

Das klingt jetzt nach einem geschmacklosen Scherz. Aber wahrscheinlich würde die Wahlbeteiligung steigen. Es dürfen so viele Menschen wählen, die sich nicht mit Politik auseinandersetzen. Aber über Smileys freuen sie sich.

Was einen wie auf Pilztrip angrinst, verkauft sich besser. Deshalb verpasst das Werbepersonal dem Zeug, das keiner kaufen will, neuerdings ein Gesicht und macht es ein bisschen teurer. Das wirkt dann wertvoll. Das funktioniert bei Duschbad-Tütchen, bei Faltencreme und bei Hello Kitty.

Vor ein paar Tagen habe ich den Duschbad-Leuten die Idee geklaut. Habe für den Kuchenbasar mittelmäßige Muffins mit Smileys manipuliert, um meinen Absatz zu steigern. Kind 1 und Kind 2 hatten mich zum Backen angemeldet. Für den Kuchenbasar in ihrem Kinderhort. Die Mütter backen und die Kinder verkaufen das, was ihre Mütter hergestellt haben. Von dem Geld, das sie verdienen, wollen sie zum Kindertag einen draufmachen.

Ich kann aber nicht gut backen. Alle backen ständig, ich nicht. Kind 1 und Kind 2 finden Kuchen ungefähr so überflüssig wie Spinat. Ich rührte Muffins an, goss den Teig in bunte Papierförmchen und schob ihn in den Backofen. In meinen Gedanken lief ein Filmchen von Back-Müttern, die gerade in hübschen Schürzen durch ihre Küchen schwebten und Muffins zu Einhörnern und Fußbällen dekorierten. Selbstverständlich glutenfrei und aus Biomehl.

Meine Muffins sahen aus wie früher. Kind 1 fand sie erbärmlich. Kind 2 drohte damit, in ihr Kinderzimmer zu gehen und zu weinen. Wir kauften Glitzer-Zuckerguss aus der Tube und pressten Augen und Münder auf die Muffins. Am Ende sahen sie ein bisschen aus wie Uli Hoeneß, aber egal. „Glückliche Muffins!“ quiekte Kind 2.

Wir philosophierten noch ein bisschen darüber, was Glück bedeutet. Ich fing an: Für mich ist Glück ein Zuckerguss. „Glück ist, wenn ich eine Schatztruhe finde“, sagte Kind 1. Und Kind 2: „Glück ist, wenn ich auf was Weiches falle.“

Waren beim Basar sofort alle, meine Muffins. Vier davon haben Kind 1 und Kind 2 selbst gekauft. Wir müssen reden.

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