Wir halten mit dem Auto schnell am Schnellrestaurant. Wegen des Termins, den wir noch hatten. Und wegen des dringenden Termins davor. Und weil wiederum davor Kind 1 dringend ein zweites Mal auf Toilette musste, nachdem Kind 2 auf Toilette war und wir im Auto gewartet haben. Deshalb essen wir beim Fahren oder wir fahren beim Essen. So geht das seit Jahren. Manchmal passiert das. Mit den Jahren kommen viele Manchmale zusammen.

„Willkommen ... Ihre Bestellung bitte!“ Und dann hält die Frau ihren Arm durch ihr Fensterlein und streckt mir eine Papiertüte entgegen. Hinein ins Auto. Ich reiche die Tüte nach hinten in die zweite Reihe, wo Kind 1 und Kind 2 wohnen. Kind 1 durchwühlt sie, sucht seine hellbraunen Teilchen aus Presshühnchen und rieselt unbemerkt Pommeskrümel auf die Sitzbank. Sie rutschen in die Ritzen, die Krümel. Dort haben sie ihre Ruhe. Danach wühlt Kind 2 in der Tüte, sucht sein Brötchen und rieselt unbemerkt Pommeskrümel auf die Sitzbank. Sie rutschen in die Ritzen zu den vielen anderen Krümeln und bleiben liegen, unerreichbar für den Saugrüssel meines Staubsaugers.

Ich habe nichts dagegen, wenn jemand in meinem Auto essen möchte. Ist ja mein Auto. Ich kann damit machen, was ich will. Meistens ist der Tag vorbei und der Magen noch leer, wenn ich dampfende Papiertüten an die Hinterbänkler reiche.

Aber neuerdings neigen Kind 1 und Kind 2 in der Gegenwart meines Autos zum Nörgeln. Hier rieche es komisch. Hier an diesem Ort, in diesem Fahrzeug. „In Autos riecht es immer komisch“, sage ich. Autos sind wie Hunde und Katzen. Sie entwickeln ihren eigenen Duft, der durch ihre Poren vor sich hin dunstet. Als würden sie atmen. Meins riecht nach einer Mischung aus Kellerkartoffeln und alten Pommes. Was dem Raucher seine gelben Fingernägel, sind meinem Auto seine Sitzpolster.

Es ist jetzt so weit, dass sich Kind 2 vor jeder Fahrt das Autofenster zwei Zentimeter öffnet und sagt, ohne diese Frischluftspalte müsse es kotzen. Ja, dieses Wort sagt meine Tochter. Schlechte Wörter für schlechte Reflexe. Ich könnte ein Duftbäumchen an den Rückspiegel hängen. Tannennadel. Vanille. Aber dann wird mir auch schlecht. Nicht auszudenken, was passiert, wenn dem Fahrer übel wird.

Meine Tochter hat jedenfalls festgestellt, dass es im Auto ihres Vaters deutlich besser riecht als in meinem. Das ist keine Überraschung für mich, denn in seinem Auto dürfen die Kinder nicht hausen wie die Rittersleute. Das Vaterauto ist wie ein Fünf-Sterne-Appartement ohne Verpflegung, das Mutterauto wie ein Strandhotel: Der Duschvorhang schimmelt und im Bett liegen Wanzen, aber wenigstens gibt es genug zu essen.

Und dann kommt der Moment, in dem ein angenehmer Duft einzieht in mein Auto, den alten Stinker. Ich fahre in die Drogerie, kaufe Sachen, die man in der Drogerie so kauft, und werfe sie in den Kofferraum. Nur kurz habe ich mich über den ausgelaufenen Weichspüler geärgert.

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