Eigentlich war es eine Steilvorlage, weshalb ich mich auch nicht dafür schäme, sie genutzt zu haben, denn bei allen neun Gesprächen, die ich heute mit Lesern zwischen zehn und zwölf geführt habe, konnte beziehungsweise wollte ich mir diese Frage nicht verkneifen: Heute schon gerubbelt? Mit diesem Ergebnis: Vier Anrufer konnten mit dieser Frage gar nichts anfangen, haben aber nach einer Erklärung angesichts meiner Neugier verlangt, die sie dann natürlich auch erhalten haben; zwei dieser Leser wollten sich gleich ans Rubbeln machen, die beiden anderen hatten gar keine Zeitung zur Hand und waren nur bei mir gelandet, weil sie über die Telefonzentrale einen Ansprechpartner für ein Thema verlangt hatten. Zwei Leser meinten, dass sie sich das Rubbeln sparen wollten, weil sie ihre Finger nicht mit der Druckerschwärze beschmutzen wollten. Und drei Anrufer waren restlos davon begeistert, dass die heutige Ausgabe der "Freien Presse" sich mit zahlreichen Artikeln und Fotos umfassend dem Thema "Faszination Holz" gewidmet hat und die Leute in der Extrabeilage mit ihren Fingern über die Teile rubbeln konnten, in denen die gelbe Farbe mit winzigen Geruchskapseln aufs Papier gelandet ist, um anschließend festzustellen, dass der Geruch nach Kiefernnadeln sich vor ihren Nasen entfaltete. So viel dazu, Experiment gelungen, über eine weitere Zeitung, die man gut riechen kann, sollten meine Kollegen unbedingt nachdenken; von einem weiß ich, dass er einen guten Whisky zu schätzen weiß. Und weil ich einigen Kollegen in meinen unmittelbaren Büroumfeld die eingangs formulierte Frage gestellt habe und mehr als nur einen anzüglichen Blick geerntet habe, möchte ich abschließend betonen: Heute schon gerubbelt? Unter den Anrufern war niemand, der diese Frage missverstanden hat.

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