Ich wollte schon immer mal nach Bullerbü. Jetzt bin ich da. Bullerbü ist ziemlich klein. Man muss den Kopf einziehen, um in die drei roten Holzhäuschen zu kommen. Denn Bullerbü ist für Kinder gemacht. Im Themenpark "Astrid Lindgrens Welt" in Vimmerby, Südschweden, dürfen sie spielen, bis sie umfallen. Ich schaue neidisch zu. Warum verlernt man es, so selbstvergessen zu spielen? Der Mittlere (3) schließt gerade ungefähr zum 700. Mal die Tür vom Mittelhof, um sie gleich darauf wieder zu öffnen. Nebenan auf Birkenlund muss das Frühstück für Madita und ihre Schwester Lisabeth zubereitet werden. Die Große (6) hat alle Hände voll zu tun. Und dann wird auch noch die kleine Schwester geboren. Praktischerweise steht die genaue Uhrzeit im Voraus fest.

Im Tischlerschuppen von Michel aus Lönneberga will ich ein Foto machen. Weil doch der Mittlere so oft Michel genannt wird, wegen der strohblonden Haare und weil er so frech gucken kann. Dabei ist es jetzt viel wichtiger, ein Eis zu kaufen, findet der Junge. Und dann will er zurück nach Bullerbü – für uns eine Art Zauberberg: Wir kommen einfach nicht weg. Aber ich will doch auch die Burg von Ronja Räubertochter sehen. Doch in dieser Welt der Kinderbücher haben Eltern nichts zu wollen. Ferien in Smaland – die Landschaft sieht genau so aus, wie Astrid Lindgren sie beschreibt: Dichte Wälder, Blumenwiesen, Felsen voller Moos. Die Große findet Walderdbeeren, wie in Bullerbü. Und natürlich gibt es auch glasklare Seen zum Baden. Das viele Wasser gefällt auch den Lücken – so nennt der Mittlere die geflügelten Plagegeister. Er bleibt ja lieber am Strand und baut die Öresund-Brücke oder was auch immer. "Schwimmen ist mir zu doof", sagt er.

Woher hat er solche Worte? "Euer Gezank ist mir zu doof!", höre ich mich beim Frühstück sagen. Und wer ist eigentlich auf die Idee verfallen, dass die Kinder im Urlaub diese Schokocreme essen dürfen, die nur erfunden wurde, um mich zu ärgern? Wenigstens könnten sie danke sagen, wenn ich ihnen das klebrige Zeug aufs Brötchen schmiere. Und dann immer das Gezappel beim Essen ...

Nun ja, auch in Bullerbü ist nicht immer eitel Sonnenschein. Später bereue ich mein Geschimpfe. In der Ausstellung am Geburtshaus von Astrid Lindgren kaufe ich mir einen Kühlschrankmagneten mit einem Zitat von ihr: "Gebt den Kindern Liebe, mehr Liebe und noch mehr Liebe, dann stellen sich die guten Manieren ganz von selbst ein." Dem ist nichts hinzuzufügen.

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