Die Frau sprach schnell, ihre Stimme schien sich vor Aufregung überschlagen zu wollen, als sie sagte: "Sie müssen die Menschen warnen, sie müssen einen Artikel darüber schreiben, damit alle geschützt werden und nicht auf eine Weise belogen und betrogen werden, wie es die Menschheit bisher wohl noch nicht gesehen hat." Nun ist es nicht so, dass ich diese Art von Gesprächseröffnungen nicht kenne, aber zu meinem Alltagsgeschäft gehören sie auch nicht, weshalb ich, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass ich schnell mal in eine emotionales Fettnäpfen trete, weil ich den Leuten in der Leitung das Gefühl gebe, sie vielleicht doch nicht ganz so ernst zu nehmen, einfach diesen Satz sage: "Na dann beruhigen Sie sich erst einmal und erzählen mir aller Ruhe was passiert ist, und warum sie meinen, dass meine Kollegen in der Redaktion darüber einen Bericht schreiben und auf diese Weise die Menschen warnen sollten." Das hat die Dame dann auch gemacht, aber weil sie nicht in ganzen Sätzen gesprochen hat, kann ich sie nicht zitieren, sondern das, was ihr passiert ist, nur zusammenfassen:

Von den Enkelkindern hat sie vor einigen Wochen ein Smartphone (einschließlich einer ausführlichen Erklärung aller für sie wichtigen Informationen, wozu auch der weltweit führende Dienst zum Verschicken von Nachrichten gehört) geschenkt bekommen, weil sie der Oma immer schnell mal einen lieben Gruß zukommen lassen wollten. Irgendwann bekam die ältere Dame dann eine Nachricht, dass sie zu den zehn von einem Zufallsgenerator ausgewählt Glücklichen gehöre, die bei einer Lotterie tatsächlich 1000 Euro gewonnen haben. In der Nachricht stand dann, was sie machen muss, um an das Geld zu kommen. Sie hat sich aufmerksam an alles gehalten, was da von ihr verlangt wurde und wo sie welche Angaben eintippen musste, bevor er es dann auf einmal klingelte, das Smartphone, und eine freundliche Frau sich meldete und vorstellte als jemand, mit der sie jetzt die Details für das Zukommenlassen der 1000 Euro besprechen könne. Die Frau hat alle Fragen, auf denen das verlangt wurde, mit Ja beantwortet und auch, weil das Geld ja nur überwiesen werden kann, ihre Bankdaten durchgegeben. Dann war das Gespräch beendet, und die Frau war sich sicher, dass sie bald um 1000 Euro reicher sei. An dieser Stelle muss ich einen Kompromiss machen, denn ich kann leider den Vertrag, den die Frau bei diesem Gespräch abgeschlossen hat und der sie zwei Jahre lang jeden Monat fast 50 Euro kostet, nicht mit Namen nennen, weil ich befürchte, dass mir jemand von diesen rücksichtslosen und (aus meiner Sicht) elenden Betrügern aufs Dach steigt und womöglich hier anruft und sich bei meinem Chef wegen meines vermeintlichen geschäftsschädigen Verhaltens beschwert und ich mir um meinen Job sogar Sorgen machen muss. Sollte jemand den Namen des Anbieters wissen wollen, unter dem Siegel der Verschwiegenheit würde ich ihn verraten.

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