Immer wieder rufen mich Leute an, weil sie intensiv nachgedacht haben und zu der Überzeugung gekommen sind, dass das, was sie in der Zeitung gelesen haben, nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Und dann präsentieren sie mir das, was sie für die endgültige Lösung eines großen Problems halten. Innerhalb meiner internen Verarbeitung und Registrierung der unterschiedlichen Charaktere von Anrufern nenne ich diese Leser den "Heureka-Typ". Einen Vertreter dieser Spezies hatte ich heute in der Leitung: "Ich habe Ihre Kolumne gelesen, in der es ja auch um dieses Thema ging, und verfolge schon seit Monaten diese Diskussion über die Vermeidung von Plastiktüten einschließlich eines Vorschlags der zuständigen Bundesministerium, den Verkauf von Plastiktüten zu verbieten, und mir das da jetzt etwas eingefallen." Pflichtschuldig, wie ich nun mal bin, fragte ich den Mann in der Leitung an dieser Stelle, während er eine Pause machte, um Luft zu holen: "Jetzt bin ich aber gespannt, wie kann man das Problem lösen?" Was der Anrufer dann sagte, hat mich tatsächlich für ein paar Sekunden sprachlos gemacht: "Man sollte nicht den Verkauf von Plastiktüten verbieten, sondern deren Herstellung, weil wenn erst einmal hergestellt wurden, müssen sie ja schließlich auf jeden Fall irgendwann entsorgt werden, was nicht der Fall ist, wenn es sie gar nicht erst gibt, ist doch logisch, oder nicht?" Als ich meine Sprach wiedergefunden hatte, wollte ich von den Mann wissen, wie er darauf gekommen ist. Seine Antwort darauf fand ich nicht weniger erstaunlich: "Hat doch bei den Glühbirnen auch funktioniert, oder sehe ich die Sache falsch?" Das zweite mich aufbauende Gespräch gibt es jetzt in voller Länge nach Angabe, wer mit wem am Telefon spricht und bevor ich überhaupt eine Ahnung hatte, was der Leser von mir wollte: 

"Sie haben ihre Löcher, überall auf dem Grundstück."

"Von wem sprechen Sie bitte?"

"Jede Nacht, wenn ich im Bett liege, kann ich sie hören."

"Leider weiß ich nicht, wen Sie meinen."

"Erst gestern ist eine direkt an vor meinen Augen in der Hecke verschwunden."

"Bitte sagen Sie mir doch, worum es geht, sonst kann ich Ihnen nicht helfen."

"Na um Ratten, worum sonst, seit Wochen liege ich dem Vermieter damit in den Ohren, aber er reagiert überhaupt nicht."

"Und wie können wir Ihnen helfen?"

"Sie sind gut, natürlich darüber schreiben, das ist doch ein Skandal."

"Ich werde meine zuständigen und verantwortlichen Kollegen darüber informieren."

"Machen Sie das, das gehört in die Zeitung."

"Vielen Dank für Ihren Anruf, ich ..."

Tut, tut, tut ...

 

In eigener Sache noch dies, wie schon angekündigt: Den nächsten Blogeintrag gibt es erst am Montag, wir (das bin ich) haben nämlich morgen frei.

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