Reden wir über hässliche Geräusche. Mir fällt dazu der Sommer ein, wenn die Fenster offen stehen und das kehlige Schnarchen unseres Nachbarn wie eine Horde Wildschweine durch unseren Garten trampelt. Und ich sitze draußen in der Sommernacht und möchte lesen. Einmal stand ich mit einer Flasche Wein vor seiner Tür, tagsüber, und wollte ihn bei einem netten Gespräch fragen, ob er sein Fenster schließen könne, bevor er losschnarche. Aber dieses Gespräch kam nie zustande. Mein Mann holte mich zurück, bevor ich klingeln konnte. Das sei peinlich und gehöre sich nicht, sagte er. Natürlich ist es ihm peinlich. Er macht selbst diese Geräusche, sobald er sich aufs Sofa setzt und zur Seite kippt. Hier geht es um Leute, die zusammenhalten. Schnarcher gegen Nichtschnarcher.

Die Schnarcher möchten nicht, dass die Nichtschnarcher über das Grunzen reden, mit dem sie uns Nacht für Nacht quälen. Meine Freundin K. ist ebenfalls mit einem Schnarcher liiert. Sie ist die Einzige, die ich kenne und die dieses Geräusch erfolgreich aus ihrem Leben eliminiert hat. Sie schickte ihn in ein Schlaflabor. Seitdem trägt er nachts eine Maske mit Rüssel. Ein bisschen sehe er damit aus wie ein Elefant, sagt sie. Aber er klingt gut. Wie Meeresrauschen.

Kind 1 überfiel neulich die Lust aufs Zelten. Nun ist noch Winter, und wir sind nicht so kernig wie der Kretsche, unser junger Ministerpräsident, der gerne unter freiem Himmel in der Sächsischen Schweiz booft. Kind 1 überredete jedenfalls seinen Vater, mit ihm in seinem Zimmer zu zelten. Sie legten Matratzen auf den Boden, nahmen Proviant mit und Spiele. Ich übernachtete mit Kind 2 in unserem Schlafzimmer. Kind 2 schläft so, wie Engel schlafen, und ist ein sehr qualifizierter Zimmerpartner. Wir lagen also im Bett und erfanden Weltgeschichten aus dem Land der Gutbürger. Da kam es. Das Geräusch. Ein Schnarchen, so anstrengend wie Windpocken. Und dann ein Schimpfen. Das Schnarchen blieb unbeeindruckt vom Schimpfen.

Etwas später riss Kind 1 die Schlafzimmertür auf. Der Junge beschwerte sich darüber, dass sein Vater eingeschlafen sei. Und das sei nicht das Schlimmste. Schlimmer sei das Geräusch, das dabei entsteht. Er habe ihm die Nase zugehalten und gerüttelt und geschimpft, um den schlechten Sound abzustellen. Und statt leiser zu werden, habe der Vater laut aufgeschnarcht und die neue Lautstärke beibehalten. Kind 1 ließ sich in unser Bett fallen, sagte, es werde niemals schnarchen und schlief ein. Ja ja.

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