Warum stellen Kinder so unglaublich viele Fragen? Und wie kommt es, dass ihnen ausgerechnet beim Einschlafen die schlauesten Fragen einfallen? Liegt es womöglich an Schlafliedern, die keine sind, etwa „Die Affen rasen durch den Wald“? Wie soll ich meiner vierjährigen Tochter erklären, warum sich die Affen wegen einer geklauten Kokosnuss so aufregen, obwohl es doch im Urwald genug andere Kokosnüsse gibt? Und warum singe ich nicht einfach „Guten Abend, gut’ Nacht“?

Hilft es vielleicht, die Fragen in Kategorien zu unterteilen, um das Kinderhirn besser zu verstehen? Praktisch: „Brennt der Rauchmelder nicht, wenn es brennt?“ Philosophisch: „Ist heute morgen?“, „Gibt es irgendwo immer noch ,früher‘?“ Logisch: „Wenn die Erde kein Ende hat, dann gibt es doch unendlich viele Städte, oder?“ Peinlich: „Warum hast du gerade Scheiße gesagt?“

Kann man überhaupt zählen, wie viele Fragen ein Kind stellt? Und darf man einer Zahl aus dem Internet glauben, wonach ein vierjähriges Kind auf 437 Fragen pro Tag kommt? Oder glaubt man lieber zwei Bloggern, die ausgerechnet haben, dass das Kind demnach, wenn es täglich zwölf Stunden wach ist, alle 99 Sekunden eine Frage stellen müsste, was die Blogger für völlig unrealistisch halten? Sollte ich den beiden vielleicht mal mein Kind vorstellen? Oder mache ich es wie eine andere Mutter, die einen Tag lang alle Fragen ihrer Tochter aufschrieb und auf ganze 650 kam?

Oder lege ich mich lieber einfach aufs Sofa und ziehe mir das Kissen über die Ohren? Dient die ständige Fragerei nicht eigentlich nur zum langsamen, genussvollen Quälen der Eltern? Oder ist sie doch eher ein Spiel? Fragt das Kind regelmäßig „Was hab ich gerade gefragt?“, weil ihm der Inhalt eigentlich nicht wichtig ist? Oder sollte man es anders sehen? Steckt nicht die Welt voller Rätsel und Wunder und ist das Fragenstellen nicht quasi ein menschliches Grundbedürfnis? Ist es demnach nicht seltsam, dass Erwachsene so wenige Fragen stellen?

Wie aber schaffe ich es im Alltag, auch die 1000. Warum-Frage noch sachlich zu beantworten, während ich gleichzeitig drei Einkaufstaschen auf dem Fahrrad verstaue und der Kleine (1) mit Eiern jonglieren will? Wie komme ich ohne die abwimmelnden „Weil-das-halt-so-ist-weil-ich-es-sage-frag-mal-den-Papa“-Antworten aus? Und wie kann ich mich überhaupt beschweren, wenn ich doch selbst mein Geld mit Fragenstellen verdiene? Wissen Sie eine Antwort, liebe Leser? Oder haben Sie etwa noch Fragen?

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