Kein Geständnis, aber wichtig zu wissen für diesen Blogeintrag: Ich gehöre zu den Menschen, die einen Lebensmittelsupermarkt betreten, nu um ihn dann so schnell wie möglich wieder verlassen zu können, weil ich mich inmitten dieser vielen Zeitgenossen, für die der Wocheneinkauf auch noch so etwas wie aktive Freizeitgestaltung ist, einfach unwohl fühle und dann, wenn ich  meine Produkte (eigentlich immer die gleichen, eine entsprechende Liste habe ich seit Jahren im Kopf) in den Wagen gelegt und anschließend bezahlt habe, mehr oder weniger fluchtartig das Weite suche. Es käme mir niemals in den Sinn, einfach nur durch die Gänge eines Discounters zu schlendern, um auf diese Weise herauszubekommen, was ich sonst noch so alles gebrauchen könnte. Deshalb versuche ich auch, das manchmal merkwürdig anmutende Verhalten der anderen Leute gar nicht erst zu registrieren, um mich weder wundern zu wollen, noch ärgern zu müssen, auch wenn mir das schwer fällt beispielsweise bei einer älteren Frau, die ich kürzlich, während ich meine Bananen gewogen habe, dabei beobachten konnte, wie sie der Reihe nach etwa zehn Äpfel in die Hand nahm und jeden mit ihren Fingern befühlte, nur um dann zwei davon in eine Plastiktüte zu tun. Egal, denn darum geht es mir heute:

"Weil ich mich immer wieder darüber ärgere, habe ich mir gedacht, jetzt rufe ich doch mal bei der Zeitung an, damit die Journalisten darüber einen Bericht schreiben können und sich vielleicht etwas ändert", hat mir vor ungefähr zwei Wochen ein Leser am Telefon gesagt, bevor er mir näher beschrieb, worüber er sich maßlos aufregen kann. Er sagte: "Es geht um das Verhalten der Leute in unseren Verkaufsstellen, wenn sie Ware, die bereits im Einkaufskorb oder -wagen gelegen hat, einfach irgendwo wieder ablegen, weil sie festgestellt haben, dass sie diese Produkte doch nicht kaufen wollen, aus welchen Gründen auch immer." Also habe ich mich eine Weile mit dem Mann über dieses Problem unterhalten, weil ich ihm zwar zugestimmt habe, dass ein solches Verhalten durchaus zu kritisieren ist, aber zum einen eher doch wohl die Ausnahme ist und außerdem keine wirklich schlimmen Folgen hat, während man mit Sicherheit wohl davon ausgehen kann, dass ein Artikel über diese Unsitte in der Zeitung solche Menschen kaum davon überzeugen dürfte, dass es besser ist, die doch nicht benötigten Ware wieder dorthin zurückzubringen, wo sie hingehört. Also habe ich dem Anrufer nicht viel Hoffnung machen können, dass sich meine Kollegen dieses Themas annehmen und darüber schreiben werden. "Ich werde mir etwas überlegen", waren seine letzten Worte, bevor er sich freundlich von mir verabschiedete.

Heute bekam ich einen Brief, in dem sich vier Fotos befanden, auf denen dies zu sehen war: Eine Flasche Organgensaft neben Gläsern mit Mayonnaise, ein Glas mit Gurken neben Lebkuchen, ein Packung Spekulatius im Regel mit Zwieback und Schoko-"Bits" neben geriebenen Käse. In dem Begleitbrief schildert der Verfasser noch einmal das seiner Ansicht nach schlimme Verhalten der Leute, die so etwas machen, bevor der meiner Ansicht nach alles entscheidende Satz zu lesen war: "Ein solches Verhalten ist mir aus DDR-Zeiten nicht bekannt - warum jetzt?" Bitte beachten: Dies ist keine Frage, auf die ich eine Antwort haben möchte, falls wieder jemand auf die Idee kommen sollte, mir zu schreiben, um mich von meiner Unwissenheit befreien zu wollen.

Weitere Blog-Einträge